Fahrermangel: BGL warnt vor Versorgungskollaps und fordert Maßnahmen

Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) ruft Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Umdenken und sofortigem Handeln auf, um englische Verhältnisse in Deutschland und einen drohenden Versorgungskollaps zu verhindern.

Symbolbild: T. Pietsch
Symbolbild: T. Pietsch
Nadine Bradl

Deutschland droht in zwei bis drei Jahren ein Versorgungskollaps ähnlich wie in England, ist sich der BGL sicher. Bereits heute fehlen laut dem Verband für Straßengüterverkehr, Logistik und Entsorgung 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer. Jedes Jahr würden zudem ca. 30.000 Berufskraftfahrer in Rente gehen, demgegenüber stünden nur ca. 17.000 neue Berufseinsteiger. Diese Entwicklung, die sich bereits seit geraumer Zeit abzeichne und auf die der BGL bereits seit langem hinweise, spitze sich nun immer mehr zu. Denn die aktuelle Versorgungssituation in England lässt laut Verband erkennen, wie rasch sich der Fahrermangel zu einem Versorgungskollaps entwickeln kann.

BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt: „Wir warnen davor, dass wir auch in Westeuropa sehenden Auges in einen Versorgungskollaps laufen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen daher endlich wach werden und dem Fahrermangel in einem gesamtgesellschaftlichen Kraftakt entschlossen entgegentreten!“

Doch so dringend Handlungsbedarf geboten sei, eine pauschale Lösung für das Problem des Fahrermangels gebe es nicht. Vielmehr müssten unterschiedliche Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene kombiniert werden. Der BGL zeigt daher in seinem Aktionsplan Fahrermangel fünf zentrale Themenbereiche mit verschiedenen Maßnahmen auf, die jetzt zügig nach Ansicht des Verbands umgesetzt werden müssen:

1. Wertschätzung steigern/Image verbessern

  • Dauerhafte Anerkennung der Systemrelevanz von Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern für die Versorgung von Gesellschaft und Wirtschaft
  • Wertschätzung der Leistung von Berufskraftfahrerinnen und -kraftfahrern
  • Image verbessern und Berufskraftfahrer als Beruf mit Zukunftsperspektive für Frauen und Männer darstellen
  • Förderverein PROFI – Pro Fahrer Image unterstützen

2. Arbeitsbedingungen verbessern

  • Sozialdumping und Fahrernomadentum entschieden bekämpfen
  • Verbesserung der Parkplatzsituation / Parkplatznot – mehr Stellplätze, mehr Sicherheit, mehr Sauberkeit, mehr Komfort
  • Umgang an Be- und Entladestellen verbessern, Zugang zu sanitären Anlagen und Sozialräumen an Rampen verbindlich sicherstellen
  • Anpassung der Fahrzeugmaße für mehr Fahrerkomfort in der Kabine / attraktiven Fahrer-Arbeitsplatz

3. Hürden-/ Bürokratieabbau entschlossen angehen

  • Führerschein/ -verlängerung: Sehtest beim Optiker statt beim Augenarzt analog zum Pkw-Führerschein
  • Pkw-Führerschein (Klasse B) auf Fahrzeuge bis 7,5 t zGM erweitern
  • Vereinfachung Berufskraftfahrerqualifikation: keine Weiterbildungsmaßnahmen für erfahrene Fahrer ab 10 Jahren Berufserfahrung; vorübergehenden Berufszugang für flexiblen Einsatz von Aushilfskräften zulassen
  • Begleitetes Fahren mit 17 für Klasse C/CE im Rahmen der BKF-Ausbildung
  • Beschleunigung und Vereinfachung von Verwaltungsverfahren

4. Nachwuchsgewinnung und Digitalisierung fördern

  • Förderprogramm „Aus- und Weiterbildung“ der Mautharmonisierung zu einem Förderprogramm „Nachwuchsgewinnung“ weiterentwickeln durch: Aufnahme von ergänzenden Maßnahmen zur Steigerung des Fahrerkomforts (modulare Systeme, Bordkühlschränke, etc.), des betrieblichen Gesundheitsmanagements, Förderung von Imagekampagnen sowie Sprach- und Integrationskursen
  • E-Learning bei der Berufskraftfahrerqualifizierung und Führerscheinausbildung praxisnah und unbürokratisch ermöglichen /Förderung von digitalen Weiterbildungsangeboten über E-Learning-Plattformen
  • Digitalen Fahrassistenten für Großraum- und Schwertransporte zulassen
  • Berufsbild „Berufskraftfahrer“ stärker in Berufsorientierung der Schulen sowie Beratungen der Arbeitsagenturen bewerben

5. Fachkräftezuwanderung erleichtern

  • Führerscheinerwerb und Berufskraftfahrerqualifikation auch für Personen mit EU
  • ausländischem Wohnsitz in Deutschland ermöglichen
  • Führerscheinerwerb und Berufskraftfahrerqualifikation in Drittstaaten nach deutschen / europäischen Standards ermöglichen
  • Ausbildung und Prüfungen zur Berufskraftfahrerqualifizierung in Fremdsprachen ermöglichen
  • Sprachkurse für Deutsch (inkl. fachspezifischer Kurse mit Logistikbezug) stärker und unbürokratischer fördern
  • Visaerteilung für Fahrpersonal aus Drittstaaten erleichtern
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