Europa: 13 Prozent weniger Fahrer als 2019

Laut Weltdachverband der Straßentransportwirtschaft steigt der Fahrermangel von 23 auf 36 Prozent. Rumänien und Polen trifft es am härtesten. Deutschland legt heftig zu und liegt mit 41 Prozent klar über EU-Durchschnitt. Und: Sichere Parkplätze fehlen überall.

Viele wandern aus: Besonders hoch ist Fahrermangel in Rumänien (62 Prozent) und Polen (37 Prozent), wo nur zwei Prozent der Trucks von Frauen gesteuert werden | Abb.: IRU
Viele wandern aus: Besonders hoch ist Fahrermangel in Rumänien (62 Prozent) und Polen (37 Prozent), wo nur zwei Prozent der Trucks von Frauen gesteuert werden | Abb.: IRU

Die International Road Transport Union IRU mit Sitz in Genf schlägt Alarm. Ihrer Studie zufolge fehlen 2020 in Europa 13 Prozent mehr Fahrer als noch im Vorjahr.

Als Weltverband der Straßentransportwirtschaft untersuchte die IRU kleinere und mittelständische Transportfirmen in zehn europäischen Ländern (Spanien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Tschechische Republik).

Die Studie berechnete den Mangel an Berufskraftfahrern in Europa und prophezeit 2020 einen dramatischen Sprung auf 36 Prozent Fahrermangel (Vorjahr: 23 Prozent).

Engpass durch Auswanderung

Dem Bericht zufolge traf es Polen und Rumänien am heftigsten. Der Fahrermangel in Polen nimmt im Laufe des aktuellen Jahres von 22 auf 37 Prozent zu — das bedeutet harte 15 Prozent weniger Trucker als noch 2019.

Noch schlimmer erwischt es Rumänien. Hier verschärft sich der Fahrermangel von ohnehin kritischen 50 Prozent im Vorjahr auf 62 Prozent für 2020 (eine Verschlechterung um 12 Prozent). Ein Grund: rund 3,4 Millionen Menschen verließen in den letzten zehn Jahren das Land.

Und Deutschland? 112 Prozent Steigerung!

Auch hierzulande ist das Problem massiv. Laut einer Studie der Weltbank gehen von 2017 bis 2032 rund 40 Prozent aller deutschen Trucker in Rente. Und schon heute sind laut Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fast ein Drittel von ihnen 55 Jahre oder älter und nur 2,5 Prozent jünger als 25 Jahre.

Die Auswirkungen sind happig. Hierzulande wird sich der Fahrermangel 2020 in Deutschland laut IRU wohl von 20 auf 41 Prozent mehr als verdoppeln. Das wäre eine Verschlimmerung um 112 Prozent.

Fahrerinnen und sichere Parkplätze fehlen

Polnische und rumänische Trucks haben mit nur 2 Prozent Berufskraftfahrerinnen die niedrigste Frauenquote ganz Europas. Gründe hierfür sind schwierige Arbeitsbedingungen, das Fehlen sicherer Parkplätze und lange Abwesenheiten von zu Hause.

Der polnische Fernlastkraftverband ZMPD und sein rumänisches Pendant UNTRR fordern daher Verbesserungen seitens der Politik. Im Gespräch sind – neben besserem Arbeitsumfeld – vor allem Erleichterungen für Aus-und Weiterbildung, berufliche Umschulung und studentische Aushilfsfahrer. Verlangt werden zudem mehr Mindestlohn, niedrigere Einstiegsalter und die Einstellung von Nicht-EU-Bürgern.

Konkrete Lösungsvorschläge

Um chronischen Fahrermangel in Europa abzustellen, stellt die IRU folgende Forderungen an die Politik:

  • Absenkung und Harmonisierung des Mindestalters für BerufskraftfahrerInnen
  • Gemeinsame Bemühungen mit dem European Shippers’ Council (ESC) um bessere Anlieferumfelder für FahrerInnen
  • Schaffung und Finanzierung von mehr, besseren und sicheren Lkw-Parkplätzen
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