Euler Hermes: Welthandel wächst schneller als erwartet

Der Welthandel boomt. Starkes Wachstum verzeichnet der Wert der gehandelten Waren und Dienstleistungen, doch auch Engpässe bei Containerkapazitäten und exorbitante Verspätungen lassen die Preise explodieren. Die Studie „Ship me, if you can“ von Euler Hermes zeigt auf, wie es um die Transportkapazitäten und globalen Versorgungsketten steht.

Der Welthandel boomt, die USA hat die Nase vorn. (Foto: Pixabay)
Der Welthandel boomt, die USA hat die Nase vorn. (Foto: Pixabay)
Radosveta Angelova

Die Studie des Kreditversicherers Euler Hermes zum Thema Lieferkettenunterbrechungen in 2020 zeigte, dass 94 % der befragten Unternehmen in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien zeitweise Unterbrechungen ihrer Lieferketten verkraften mussten, in Deutschland sogar 95 Prozent. Jedes fünfte Unternehmen davon verzeichnete schwerwiegende Beeinträchtigungen, 52 Prozent gaben an, bereits Maßnahmen ergriffen zu haben, um ihre Versorgungskette für die Zukunft robuster aufzustellen. Nur etwa zehn bis 15 Prozent der Unternehmen erwägten Re-Shoring, demnach ihre Produktion tatsächlich nach Deutschland zurückzuholen.

 „Lieferketten können brechen, egal ob sie global sind oder lokal“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das hat die Corona-Pandemie gezeigt – aber auch die aktuelle Flutkatastrophe, bei der auch Lieferketten im eigenen Land unterbrochen wurden. Eine Garantie für eine robuste Versorgungskette gibt es nie.“

Van het Hof spricht sich für die Relevanz des schnellen und flexiblen Handels in solchen Notfallsituationen aus. Er erläutert weiter, der prophezeite Nachhol-Boom nach dem Lockdown habe längst eingesetzt, und Unternehmen versuchten händeringend, ihre Lagerbestände aufzufüllen. Das sei aktuell kein Selbstläufer: Angesichts der anhaltenden Engpässe in der Versorgungskette, insbesondere bei den Schiffscontainern, und den längsten Verspätungen seit einem Jahrzehnt, steigen die Preise und damit Kosten des Welthandels im Galopp auf neue Rekordhöhen.

Im bisherigen Jahresverlauf habe sich der Welthandel jedoch auch schneller und stärker als erwartet erholt, so die Pressemeldung des Kreditversicherers. Insbesondere der Wert der gehandelten Waren und Dienstleistungen, der noch im Jahr 2020 bei minus 9,9 Prozent lag, sei im laufenden Jahr mit einem Zuwachs von plus 15,9 Prozent zu verzeichnen. Das Volumen der gehandelten Waren und Dienstleistungen sei mit einem satten Plus von 7,7 Prozent festzuhalten; zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie „Ship me, if you can“. Für den diesjährigen Anstieg des Werts der gehandelten Waren und Dienstleistungen mache die Normalisierung der Angebots- und Nachfragebedingungen nach dem Einbruch in 2020 allerdings nur etwa 15 Prozent aus – die Aufstockung der Lagerbestände hingegen etwa 50 Prozent. Und die knappen Schiffskapazitäten mit den damit verbundenen hohen Preisen würden rund 35 Prozent des Anstiegs ausmachen.

Zusätzlich sei die USA den europäischen Staaten weit voraus: Warenlieferungen aus Asien in die USA nehmen derzeit um etwa 30 Prozent zu, nach Europa sind es aufgrund der späteren Öffnung nur etwa 10 Prozent mehr. Nach den Lieferunterbrechungen im Jahr 2020 ist dies der zweite Schock für die globalen Lieferketten in kurzer Zeit.

Ron van het Hof bröselt die Problematik auf:

„Hamsterkäufe sind aktuell in im globalen Handel. Die USA haben im Rennen um die Waren dabei klar die Nase vorne – unter anderem aufgrund der früheren Wiedereröffnung. Schiffskapazitäten dürften kurzfristig auch weiterhin knapp bleiben, und auch die Tatsache, dass es wenige Alternativen zur Seefracht gibt und neue Kapazitäten nur langsam in Betrieb genommen werden können, tragen nicht zu einer schnellen Entspannung bei. Der Bau eines neuen Schiffes dauert in der Regel anderthalb Jahre, sodass es auch 2022 noch zu Engpässen und in der Folge zu hohen Frachtraten kommen dürfte.“

Der Preis- und Kapazitätsdruck dürfte also 2022 anhalten, obwohl er 2021 seinen Höhepunkt erreichen könnte, so die Prognose der Studie. Erwartete niedrigere Zölle würden den Preisdruck nicht ausgleichen können, die Handelskosten bleiben auch 2022 voraussichtlich hoch. Insgesamt erwarten die Volkswirte des Kreditversicherers für 2022 ein erneut überdurchschnittliches Wachstum des Welthandels von plus 6,2 Prozent beim Volumen und plus 8,4 Prozent beim Wert.

Ron van het Hof abschließend:

„Unterbrechungen von Lieferketten sind auch 2021 an der Tagesordnung – obwohl viele Unternehmen bereits im vergangenen Jahr zahlreiche Maßnahmen eingeleitet haben, um ihre Lieferketten zu stabilisieren. Es ist definitiv an der Zeit, das Thema anzugehen, denn auch in den kommenden Jahren ist mit weiteren Schocks für die Versorgungsketten zu rechnen. Unternehmen haben es daher selbst in der Hand, zu den Gewinnern zu gehören.“

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