Elvis: Mauterhöhung gefährdet Finanzen

Der Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure legt seinen Marktreport für das dritte Quartal vor und warnt angesichts der seit heute geltenden Mauterhöhung vor einer finanzieller Schieflage in den Speditionsunternehmen.

Laut der Elvis AG ist eine präzise Ermittlung und vollständige Weitergabe der Maut für Last- und Leerkilometer unumgänglich. Foto: Pixabay
Laut der Elvis AG ist eine präzise Ermittlung und vollständige Weitergabe der Maut für Last- und Leerkilometer unumgänglich. Foto: Pixabay
Daniela Sawary-Kohnen

Unternehmen, denen es nicht gelingt, die seit dem heutigen Freitag massiv gestiegenen Mautkosten vollständig auf die Transportpreise umzulegen, drohen laut Elvis finanzielle Einbußen in existenzbedrohendem Ausmaß. Die Branche könne nach Ergebnissen des aktuellen Marktreports erst im kommenden Jahr auf eine positive Trendwende hoffen. Nikolja Grabowski, Vorstand der Elvis AG:

„Mit der Erhöhung der Maut hat die Bundesregierung nichts anderes als eine versteckte Steuer beschlossen und gleichzeitig die Spediteure und Frachtführer zu deren Eintreiber bestimmt. Ob es der Branche gelingt, die immensen Kostensteigerungen umzulegen, ist für die Koalition dabei offenbar von untergeordnetem Interesse.“

Zumal zum Jahreswechsel nicht nur die Nutzungsgebühr für die Autobahnen und Bundesstraßen steigen würden. Viele Lkw rutschten zudem in eine höhere Gebührenklasse. Gleichzeitig verteuere ein zusätzlicher CO2-Aufschlag den Liter Diesel – voraussichtlich in einer Größenordnung um weitere fünf auf dann zwölf Cent pro Liter.

Noch verschärft werde die Situation Elvis zufolge von den nach wie vor unsicheren politischen Rahmenbedingungen. In der Folge einer sich seitwärts bewegenden Gesamtwirtschaft würde die Investitionsbereitschaft weiter gering bleiben. Eine substanzielle Besserung sieht der Marktreport erst gegen Mitte des kommenden Jahres. Nikolja Grabowski:

„Vor allem die sich abzeichnende Zinswende nährt diese Hoffnung.“  

Die jüngste Entscheidung des Bundesgerichtshofes zur fehlenden rechtlichen Grundlage des Klimatransformationsfonds könnte etwaige positive Signale aber schon im Keim ersticken.

„Am Ende muss die Branche fast noch froh sein, wenn der Bund die Maut im Laufe des Jahres nicht weiter steigert, um die fehlenden Mittel des Bundeshaushaltes aufzustocken.“

Marktreport für Herbst

Die saisonübliche Herbst-Belebung der Transportbranche hatte dem Elvis-Report für das abgelaufene Quartal zufolge ihr Hoch im Oktober. Allerdings blieben die Kennzahlen deutlich hinter dem Vorjahr zurück. Entsprechend reserviert sei das Geschäftsklima, das von der Mautsteigerung nun zusätzlich eingetrübt würde. Mit Blick auf die branchenüblich dünne Kapitaldecke rücke damit vor allem die Liquidität der Unternehmen in den Fokus.

Die Maut sei neben den Dieselkosten eine der größten Positionen auf der Ausgabenseite der Spediteure. Mit ihrer Verdopplung werde daher die allgemeine Zahlungsfähigkeit erheblich belastet. Nikolja Grabowski:

„Besonders zu beachten ist dabei, dass Tank- und Mautanbieter aufgrund der hohen Rechnungswerte die Finanzdecke ihrer Kunden sehr genau im Blick behalten. Übersteigt die Rechnung den der Bonität entsprechenden Kostenrahmen, kann es schnell eng werden und ein Lieferausfall drohen.“

Drei konkrete Empfehlungen

Vor diesem Hintergrund sieht der Verbund die Spediteure mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. So müssten erstens die Mehrkosten der Mauterhöhung inklusive aller Anfahrtskilometer vollumfänglich an die Kunden weitergegeben werden. Und zweitens sollte die eigene Bonität Kreditoren gegenüber auf Nachfrage kurzfristig nachweisbar sein. Zu diesem Zweck sollte mindestens der Jahresabschluss 2022 vorliegen.

Und drittens empfehle es sich, größere Ausstände mittels einer Warenkreditversicherung abzudecken, beziehungsweise im Wege des Factorings zu liquidieren, um die eigene Zahlungsfähigkeit zu erhöhen. Nikolja Grabowski:

„Die Bedeutung der Solvenz wird häufig unterschätzt. Selbst durchlaufende Posten sind dazu geeignet, die Unternehmensfinanzen ins Wanken zu bringen, wenn sie so groß wie die Mautzahlungen sind.“
 

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