Ducktrain: Erster Prototyp im Test

Die Innovation kommt von der RWTH Aachen und heißt Ducktrain: Ein elektrisch angetriebener Gliederzug aus Anhängern, die im Zustellgebiet autonom ausschwärmen. Die Serienfertigung ist ab 2025 geplant.

Im Gänsemarscht: Der mit umfangreicher Sensorik ausgerüstete Anhänger folgt in bis zu fünf Exemplaren seinem Zusteller. | Foto: Ducktrain
Im Gänsemarscht: Der mit umfangreicher Sensorik ausgerüstete Anhänger folgt in bis zu fünf Exemplaren seinem Zusteller. | Foto: Ducktrain
Christine Harttmann
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Das vom Gründerteam an der RWTH Aachen entwickelte und im Mai vergangenen Jahres erstmals vorgestellte Zustellkonzept Ducktrain ist jetzt mit einem ersten Prototypen in die Erprobung gestartet. Bei dem Konzept wird ein konventionelles Fahrrad mit Zusteller als "Zugfahrzeug" eingesetzt, dem bis zu fünf weitgehend autonom agierende, elektrisch angetriebene Anhänger folgen.

„Auf diese Weise transportieren wir das Ladevolumen eines herkömmlichen Transporters in die Städte hinein“ erklärt Kai Kreisköther, Verkehrsexperte und Geschäftsführer des Aachner Start-Ups Ducktrain.

So ein „Entenzug“ könne die Verkehrssituation erheblich entspannen, weil die ein Meter breiten Fahrzeuge Fahrradwege nutzen können und selbst zwischen Pollern passieren, glauben die Macher. Im Zustellbezirk sollen sich die Glieder des Zuges auf den letzten zehn bis 500 Metern vereinzeln, die "Ducks" bringen die Pakete von Haustür zu Haustür, schildert Kreisköther den weiteren Ablauf im Modell.

Letzte Meile autonom und bis 25 km/h schnell

Der Ducktrain lenkt und fährt dabei selbstständig, indem er automatisch dem Zusteller folgt, der entweder zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist. Die Ducks sind für 20 bis maximal 25 km/h ausgelegt, könnten aber noch schneller fahren. Sie fassen exakt eine Europalette und transportieren 300 Kilogramm und mehr. Die Zustellung soll so deutlich effizienter ablaufen, da weniger Zeit verloren geht etwa durch den permanenten Wechsel von Fahren und Parken und im stockenden Verkehr.

„Wir haben gerade das erste Prototypenfahrzeug fertiggestellt. Damit stehen nun Erprobungsfahrten mit Kunden und Anwendungspartnern an“, berichtet Kreisköther.

Diese erfolgen zunächst in abgeschlossenen Geländen wie Industrie- und Logistikarealen, dann im öffentlichen Raum. Die Erfinder haben das Mobilitätskonzept langfristig als autonomes Fahrzeug geplant, allerdings noch nicht in der ersten Entwicklungsstufe. Doch nach und nach sollen die Fahrzeuge immer mehr Funktionen selbsttätig übernehmen.
 

Niemandsland: Komplett neue Fahrzeuggattung

Eine Zulassung gibt es für Ducktrain noch nicht, es handle sich dabei um eine komplett neue Fahrzeugkategorie, wie der Hersteller begründet. Außerdem gebe es für die Automatisierungs-Technologie noch keine Richtlinien. „Wir arbeiten aktuell mit dem Bundesverkehrsministerium, mehreren Landesverkehrsministerien sowie dem TÜV an der Genehmigung für unser Fahrzeug“, erzählt der Geschäftsführer.

Die ersten vollständig automatisierten Ducktrains will man schon 2021 bauen, der Serieneinsatz auf der Straße ist dann für 2025 geplant. Die autonomen Kleinstfahrzeuge sollen übrigens nicht verkauft werden, sondern Kunden bezahlen für die Fahrzeugnutzung. „Wir kümmern uns darum, dass die Ducktrains stets verfügbar und auf dem neusten technologischen Stand sind“, erklärt Kreisköther weiter. Er hält dieses Finanzierungskonzept in vielen Branchen für interessant. So beteilige sich etwa der Zeitungsverlag Aachen ebenso an der Erprobung wie der Verbund City Logistik Aachen (CLAC) und das Kompetenzzentrum für nachhaltige Mobilität (Avantis). Weitere deutsche und internationale Logistikunternehmen sollen in Kürze dazustoßen.

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