Digitale Schiene Deutschland: Bund und DB beschleunigen Planungen

Mehr als eine Milliarde Euro gibt es zusätzlich für die Modernisierung und Digitalisierung der Infrastruktur. Damit soll die Harmonisierung der europäischen Schienennetze vorangetrieben werden.

Mit Digitalisierung Kapazitäten erweitern – das ist die Idee der Bahn. (Foto: Pixabay)
Mit Digitalisierung Kapazitäten erweitern – das ist die Idee der Bahn. (Foto: Pixabay)
Christine Harttmann

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) und die Deutsche Bahn (DB) wollen die Planungen für die Digitale Schiene Deutschland beschleunigen. In Berlin haben am gestrigen Donnerstag, 8. Dezember 2022, Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing und DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber eine Vereinbarung unterzeichnet, mit der sie den bereits bestehenden Finanzierungsvertrag von rund 1,7 Milliarden Euro auf rund 2,7 Milliarden Euro aufstocken. Darüber hinaus erhielt die DB vom Bund eine Zusage über die weitere Finanzierung für die Planung mehrerer Projekte aus dem sogenannten Starterpaket.

Die Bahn benötigt die Fördersumme, weil sie langfristig alle Strecken und Schienenknoten mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS (European Train Control System) sowie digitalen Stellwerken (DSTW) ausrüsten und die alte Technik komplett ablösen muss. Mit der Modernisierung soll mehr Platz für Züge geschaffen, die Pünktlichkeit verbessert und Störungen reduziert werden. Dabei setzt das Unternehmen auf intelligent vernetzte Daten von Infrastruktur und Fahrzeugen. Künftig könne sie damit den Betrieb auf dem Schienennetz völlig neu organisieren, so die Bahn, und bis zu 35 Prozent mehr Kapazität schaffen.

Bundesminister Dr. Volker Wissing, der die Vereinbarung mit seiner Unterschrift besiegelte, hob in den Zusammenhang hervor, dass es schnell mehr Kapazitäten auf der Schiene brauche, um die Klimaziele zu erreichen.

„Wir wollen die Bahn zum klimaneutralen Rückgrat unseres Verkehrssystems aufbauen. Neben der Sanierung sowie dem Neu- und Ausbau ist die Digitalisierung ein entscheidender Baustein. Mit den heute geschlossenen Vereinbarungen schaffen wir den finanziellen Unterbau dafür, das Zugsicherungssystem ETCS einzuführen und gleichzeitig die Stellwerkslandschaft in Deutschland zu modernisieren und zu digitalisieren. Das sorgt unmittelbar für mehr Kapazität im bestehenden System und damit schnell mehr Angebot auf der Schiene.“

DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber fügte hinzu:

„Angesichts der wachsenden Verkehrsmengen brauchen wir mehr Tempo, um unser Schienennetz schlagkräftiger und leistungsfähiger zu machen. Mittel- und langfristig setzen wir auf Aus- und Neubauprojekte sowie die Generalsanierung wichtiger Korridore. Die Digitalisierung der Infrastruktur ist dafür aber ein entscheidender Schlüssel. Denn mit dem digitalen Bahnbetrieb der Zukunft können wir auch ohne den teuren und aufwändigen Bau neuer Gleise mehr Züge auf die klimafreundliche Schiene bringen. Die gemeinsam mit dem Bund getroffenen Vereinbarungen werden die Digitale Schiene Deutschland deshalb entscheidend voranbringen.“

Digitalisierungsschub für Güterverkehrskorridore

Die nun bereitgestellten Mittel sollen unter anderem in die Modernisierung und Digitalisierung der Infrastruktur auf dem Güterverkehrskorridor Rhine-Alpine. Diese Magistrale von den niederländischen Nordseehäfen bis nach Italien soll mit dem europäischen Eisenbahnverkehrsleitsystem ERTMS (European Rail Traffic Management System) ausgerüstet werden. Das System trägt wesentlich dazu bei, den grenzüberschreitenden Zugverkehr in Europa zu erleichtern. Bislang müssen Lokomotiven und Triebzüge mit verschiedensten nationalen Sicherungssystemen ausgerüstet sein. Das ist durch ERTMS künftig nicht mehr erforderlich.

Außerdem kann die DB mit rund 307 Millionen Euro weitere Planungen für den Korridor Skandinavien-Mittelmeer (ScanMed) anstoßen. Der ebenfalls für den Güterverkehr bedeutsame europäische Korridor soll bis Ende 2030 zwischen Dänemark und Österreich vollständig mit ETCS ausgerüstet werden. Es geht um insgesamt 4.500 Streckenkilometer.

Digitaler Knoten Stuttgart: Metropolregion als weltweiter Vorreiter

Weitere 83 Millionen Euro stehen für die Planung des dritten Bausteins für den Digitalen Knoten Stuttgart bereit. Bis 2030 soll der Zugbetrieb auch im Stuttgarter Umland bis über die Endpunkte der S-Bahn-Linien hinaus von digitaler Technik gesteuert werden. Der Kern des Knotens geht zusammen mit Stuttgart 21 bereits 2025 mit ETCS ohne Signale in Betrieb.

Rund elf Millionen Euro an Planungsmitteln sind für die Schnellfahrstrecke Köln– Frankfurt/Main bestimmt. Bis 2028 will die DB hier rund 200 Streckenkilometer mit ETCS und digitalen Stellwerken ausrüsten. Dieser Schritt sorgt für mehr Qualität und Effizienz im Zugbetrieb. Gleichzeitig können störanfällige Anlagen und ältere Stellwerke komplett ersetzt werden.

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