Dachser: Autonom und sicher im Depot

Bei Dachser in Langenau präsentierte ZF gemeinsam mit seinen Konsortialpartnern die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsprojekts Safe20. Dessen Ziel: den autonomen Umschlag im Depot zu ermöglichen. Dass die Lkw auch autonom schnell unterwegs sind, war Dachser ein besonderes Anliegen.

Der Wechselbrückenhubwagen basiert auf einem Kamag ePM. Mit Wechselbrückenerkennung und automatischer Kuppelung kann er Wechselbrücke autonom rangieren. (Foto: C. Harttmann)
Der Wechselbrückenhubwagen basiert auf einem Kamag ePM. Mit Wechselbrückenerkennung und automatischer Kuppelung kann er Wechselbrücke autonom rangieren. (Foto: C. Harttmann)
Christine Harttmann

Lkw-Fahrer sind Mangelware. Und wenn man sie findet, müssen sie bezahlt werden. Das kostet Geld – ganz besonders in der Hoflogistik. Ein höheres Grundgehalt muss hier den Wegfall der Spesen kompensieren. Das kostet.

Fünf Hoffahrzeuge sind bei Dachser in Langenau im Einsatz. Um die zu bewegen braucht der Logistikdienstleister 15 Fahrer. Weder Schichtbetrieb noch Urlaub wären sonst möglich. Dennoch können wegen Krankheiten oder anderer Ausfälle fünf bis zehn Prozent der Schichten nicht besetzt werden, berichtet André Bilz. Als Team Leader Truck & Terminal Equipment ist er bei Dachser unter anderem für die Beschaffung von Nutzfahrzeugen zuständig. Am Forschungsprojekt Safe20 hat er sich schon deshalb gerne beteiligt, weil er langfristig technologische Unterstützung im Hofdienst für notwendig hält. Einen gangbaren Weg für die Zukunft zu finden, wie autonome Lkw hier wesentliche Aufgaben übernehmen können, wäre daher ein wichtiger Schritt. 

Noch ein weiter Weg

Dass das autonome Hoffahrzeug am Ende des Forschungsprojekts noch einige Jahre von einem ersten realen Prototypen entfernt ist, hätte sich Bilz zwar anders gewünscht. Dennoch ist es beachtlich, was die Konsortialpartner in den dreieinhalb Jahren seit Projektstart im Oktober 2020 auf die Beine gestellt haben.

Ziel des Forschungsvorhabens war es, ein neuartiges integrales Sicherheitskonzept für das autonome Fahren auf Betriebshöfen zu entwickeln und zu validieren. Dabei sollte erstmals ein regulärer Betrieb von vollautomatisierten Fahrzeugen auf Betriebshöfen bei einer Mindestgeschwindigkeit von 20 km/h in Anwesenheit von Menschen, spurgeführten Fahrzeugen und Fußgängern ermöglicht werden.

Die für ein autonomes Fahrzeug hohe Geschwindigkeit für Dachser besonders wichtig. Denn die sonst üblichen 8 km/h seien auf einem solchen Umschlagplatz ein Hindernis, hieß es. Die anderen Lkw würden ausgebremst. Das kann sich ein Logistikdienstleister mit seinen vielen zeitkritischen Prozessen nicht leisten.

Sicher müssen sie immer sein

Gleichzeitig, so Christian Brennecke, Entwicklungsleiter der ZF-Nutzfahrzeugsparte, müssten die autonomen Fahrzeuge im Mischverkehr bei allen Witterungs- und Randbedingungen sicher und wirtschaftlich betrieben werden können.

„Dazu sind eine Vielzahl hochentwickelter Sensoren und Rechensysteme notwendig, die jedes Fahrzeug an Bord haben müsste.“

Sensorik am und um das Fahrzeug

Damit die Sensorik im Fahrzeug nicht ausufert, haben sich die am Projekt beteiligten Ingenieure der Sick AG ein spezielles Sicherheitskonzept überlegt. Da sich die autonomen Lkw bei Dachser in einem definierten Umfeld bewegen, ist es technisch möglich, Sensorik auch außerhalb des Fahrzeugs einzusetzen. Ein Teil der Sensorik wurde daher in die hofseitige Infrastruktur verlagert.

„Dadurch können Investitionen in jedem einzelnen Fahrzeug so weit reduziert werden, dass es wirtschaftlicher und gleichzeitig sichererer Betrieb in Logistikzentren überhaupt in greifbare Nähe rückt“, sagt Brennecke.

Die drei Fahrzeuge, die im Rahmen des Forschungsprojekts bei Dachser unter realen Bedingungen getestet wurden, stammen von TII Kamag. Dabei handelt es sich um eine Sattelzugmaschine, einen Wechselbrückenhubwagen und einen Nahverkehrs-Lkw.

Die drei Autonomen

Der Wechselbrückenhubwagen basiert auf einem Kamag ePM. Er wurde so umgebaut, dass er dank einer Wechselbrückenerkennung eine Wechselbrücke autonom rangieren kann. Der Nahverkehrs-Lkw basiert auf einem von Framo umgebauten MAN, die Sattelzugmaschine auf einem Kamag PT. Die Sensorik in den Fahrzeugen stützt sich weitgehend auf Lidar-Technologie, mit der das Schutzfeld rund um das Fahrzeug überwacht wird. Kombiniert wird dies mit GPS-Ortung. Da Lidar besonders gut in bebautem Gelände funktioniert, während GPS freie Flächen bevorzugt, ergänzen sich die beiden Systeme sehr gut. Darüber hinaus kommunizieren die Fahrzeuge mit den Hofüberwachungssystemen.

Etwas schwieriger war es, eine Lösung für die Zufahrt zur Rampe zu finden. Mit Hilfe von Bluetooth-Tags, die in die Jacken der Mitarbeiter gesteckt werden, ist aber auch das gut gelungen.

Zufrieden nach vorne

Unterm Strich, das wurde bei der Projektpräsentation gestern, 14. März 2024, bei Dachser in Langenau deutlich, sind alle Partner zufrieden. Alle haben viel gelernt, und vielleicht bekommt Bilz seinen autonomen Umschlag-Lkw ja doch früher als geplant.

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