Covid-19: Logistikimmobilien im Aufschwung

Marktanalyse zeigt: Die Corona-Pandemie wird dauerhaft Einfluss auf die Handelsströme nehmen und sich somit auch auf den Bedarf an Logistikimmobilien. Sie bietet mehr Chancen als Risiken.

Einen steigenden Bedarf an Lagerhallen prognostiziert die Marktstudie von Catella. (Foto: Icondigital/Pixabay)
Einen steigenden Bedarf an Lagerhallen prognostiziert die Marktstudie von Catella. (Foto: Icondigital/Pixabay)
Christine Harttmann

Weil Unternehmen ihren Kapital- und Warenverkehr wieder mehr nach Deutschland zurückholen werden auch nach Corona in Deutschland mehr Bestands- und Lagerhallen, weniger Umschlaghallen gebraucht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Aktuelle Marktanalyse von Catella Research. „Logistikmärkte im Aufschwungssog“, so der Name der Veröffentlichung, beleuchtet die kurz-, mittel- und langfristigen Folgen, die Covid 19 auf die deutschen Logistikmärkte haben wird.

Darin heißt es, dass die Corona-Krise „vor allem eine Neubewertung der Risiken im Trade Off zwischen Effizienz- und Risikoaspekten der Unternehmen“ auslöst. Dies führe langfristig dazu, dass sich die Struktur logistischer Prozesse verändert und somit auch beim Bedarf an Logistikflächen. Deutschland ist besonders betroffen, da die Verflechtung in internationale Lieferketten größer ist als beispielsweise in China oder den USA.

Prof. Dr. Thomas Beyerle, Leiter Research in der Catella Group, kommentiert:

„Mit Blick auf die Immobilienbranche erwarten wir einen neuen räumlichen Ansatz - der ‚relocation‘ von Kapital- und Warenverkehr zurück nach Deutschland.“

Dieses sogenannte Nearshoring, also die Nahverlagerung der Logistikketten, erfordere in der Konsequenz weniger Umschlaghallen, dafür aber mehr Bestands- und Lagerhallen. Und: Das Local-for-Local-Sourcing – eine Geographische Lieferantenstruktur, bei der Einkaufs-, Produktions- und Absatzmärkte räumlich nahe beieinanderliegen – führe zu einer steigenden Attraktivität von Standorten nahe Ballungszentren.

Die von Catella vorgelegte Marktstudie listet die folgenden Fakten zu den 26 Logistikregionen in Deutschland:

  • 2019 wurde mit mehr als 6,8 Milliarden Euro das zweitbeste Transaktionsergebnis überhaupt erzielt.
  • Großvolumige Einzeltransaktionen konnten 2019 mit 4,6 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erzielen.
  • Auch zukünftig kann das Angebot nicht mit der Flächennachfrage mithalten.
  • Mittel- bis langfristig ist weiterhin mit steigenden Mieten und Renditekompressionen zu rechnen.
  • In München wird aktuell mit 7,20 Euro pro Quadratmeter die höchste Miete erzielt, gefolgt von Berlin mit 6,70 Euro pro Quadratmeter.
  • Vergleichsweise günstig sind dagegen Flächen in Magdeburg (4,30 Euro pro Quadratmeter) und Erfurt (4,50 Euro pro Quadratmeter).
  • An den 7-Top-Standorten liegen die Renditen in der Bandbreite von 3,7 Prozent bis 3,9 Prozent. In Saarbrücken und Würzburg finden sich mit jeweils 6,4 Prozent die höchsten Marktrenditen.
  • Die Flächennachfrage ist aktuell in den Logistikregionen Frankfurt/Rhein-Main und Südbayern/München am stärksten ausgeprägt.

Der Trend zum Insourcing beziehungsweise Nearshoring werde sich, so das Fazit der Marktstudie, besonders auf die Sektoren konzentrieren, die am stärksten von den globalen Wertschöpfungsketten abhängen und in der Produktion auf Roboter zurückgreifen können. In Deutschland sind das die Auto- und Transportzulieferer sowie die Elektro-, Chemie- und Textilindustriebranche, die etwa zwölf Prozent ihrer Vorprodukte aus Niedriglohnländern importieren. Der Risikobewertung von Wertschöpfungsketten, insbesondere bei Global und Single-Sourcing-Strategien, wird ebenfalls mehr Gewicht zukommen und die Abhängigkeit zu Single-Lieferanten wird abgebaut.

Somit trifft eine hohe Investorennachfrage weiterhin auf Flächenknappheit und steigende Grundstückspreise. Die Veränderung der weltweiten Handelsströme bietet für Logistikimmobilien mehr Chancen als Risiken, gerade in Deutschland. So können Anreize für die Rückverlagerung der Produktion geschaffen werden.

Catella ist auf den Bereich Immobilieninvestment und Fondsmanagement spezialisiert und agiert in 15 Ländern. Der Konzern verwaltet Vermögenswerte von rund 14 Milliarden Euro.

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