Coronavirus: Richtig lüften schützt vor Infektionen im Betrieb

Tipps, wie richtiges Lüften die Gefahr einer Corona-Infektion vermindern kann, hat die Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr) zum Herbstbeginn veröffentlicht.

Bei schlechter Lüftung können Aerosole auch in großen Lagerhallen zu einer Infektio führen. (Foto: Pixabay)
Bei schlechter Lüftung können Aerosole auch in großen Lagerhallen zu einer Infektio führen. (Foto: Pixabay)
Christine Harttmann

Neben der Tröpfcheninfektion ist die Übertragung durch virenbelastete Aerosole der Hauptübertragungsgrund für die Ansteckung mit Covid-19. Mit ausreichender Lüftung und sicherem Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen (RLT) lasse sich das Risiko signifikant senken, teilt die Berufsgenossenschaft mit. Ein Infoblatt soll wichtige Hinweise geben.

Die BG-Verkehr reagiert damit auf die Sorgen vieler Virologen, die mit der kälteren Jahreszeit eine deutlich steigende Zahl von Covid-19-Infektionen befürchten, wenn sich das öffentliche Leben in das Innere von Gebäuden verlagert. Grund dieser Besorgnis: Mittlerweile ist klar, dass sich das Coronavirus nicht nur durch direkten Kontakt zu Infizierten überträgt, sondern auch durch virenbelastete Aerosole, die sich teilweise stundenlang in der Luft halten können.

Das bekannteste Beispiel: Die Chorprobe von Mount Vernon bei Seattle, bei der ein erkrankter Sänger 52 der insgesamt 61 Chormitglieder infizierte, obwohl ein großer Teil der Sänger keinen direkten Kontakt zu dem Infizierten hatte. Solche Ereignisse seien, so heißt es in einem Schreiben der Berufsgenossenschaft, auch für ein Großraumbüro oder ein Verteilzentrum denkbar. Allerdings lasse sich das Infektionsrisiko durch richtiges Lüften und den sachgemäßen Umgang mit Klimaanlagen und anderen Raumluft-Technik-Anlagen (RLT-Anlagen) deutlich senken. Auch in der neuen Sars-CoV-2-Arbeitsschutzregel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) spielen die Themen Lüftung und RLT-Anlagen eine wichtige Rolle.

Eine ausführliche und verständliche Information zum Thema will die BG-Verkehr nun mit ihrem Infoblatt „Lüftungsverhalten und Betrieb von Raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) unter Berücksichtigung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel des BMAS“ bereitstellen. Es steht auf der Website der BG Verkehr (https://www.bg-verkehr.de/coronavirus ) zum kostenlosen Download bereit.

Unter anderem sind darin die fünf goldenen Regeln der Präventionsexperten der BG Verkehr zum richtigen Lüften aufgelistet:

  1. Lüften Sie die Räume bei Tätigkeitsaufnahme und anschließend in regelmäßigen Abständen.
  2. Lüften Sie Besprechungsräume bereits vor der Benutzung für mindestens 15 Minuten, insbesondere, wenn sich zuvor andere Personen dort aufgehalten haben.
  3. Verkürzen Sie das Lüftungsintervall bei Stoßlüftung von den nach der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR 3.6 Lüftung empfohlenen 60 Minuten auf 20 Minuten.
  4. Lüften Sie je nach Außentemperatur für drei Minuten (Winter) bis zehn Minuten (Sommer).
  5. Nehmen Sie eine gefühlt zu kühle Raumtemperatur in Kauf, wenn Sie dadurch den Gesundheitsschutz verbessern können.

In RLT-Anlagen sind laut der BG ein hoher Frischluftanteil sowie ein richtiges Filterkonzept der Schlüssel. Sorgfältig geplant und geprüft sein sollte der Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen (zum Beispiel Klimaanlagen) und deren Instandhaltung gemäß den Vorgaben nach VDI 6022.

Entwarnung gibt Dr. Jörg Hedtmann, Präventionsleiter der BG Verkehr, bei zentralen RLT-Anlagen, die mit Frischluft versorgt werden:

„Das Übertragungsrisiko von Sars-CoV-2 über RLT-Anlagen ist insgesamt als gering einzustufen, wenn sie über geeignete Filter verfügen oder einen hohen Außenluftanteil zuführen. Aber Vorsicht: Auch Filter- oder Frischluftgeräte können bedenklich sein, wenn der Luftaustausch zu gering ist und die Geräte nur die eventuell im Raum vorhandenen belasteten Aerosole verteilen.“

Der Teufel steckt jedoch im Detail. Welche Filter geeignet sind, wird in der Broschüre erläutert und sollte zudem durch eine Fachfirma für den individuellen Fall geprüft werden. Generell gilt: Je größer die Außenluftanteile und je geringer die Umluftanteile, desto besser für den Gesundheitsschutz.

Anders sieht die Empfehlung bei dezentralen RLT-Geräten aus, wie beispielsweise Split-Klimaanlangen oder Heizlüfter. Diese Geräte saugen Raumluft (Sekundärluft) an, kühlen oder erwärmen sie und geben sie zurück in den Raum. Sie verfügen in der Regel nicht über Filter, die Aerosole effektiv abscheiden. Deshalb sollen sie nur dann genutzt werden, wenn sich lediglich eine Person im Raum aufhält. Das gleiche gilt für Ventilatoren.

Die BG Verkehr ist die gesetzliche Unfallversicherung für die Verkehrswirtschaft, Post-Logistik und Telekommunikation. Bei ihr sind rund 1,7 Millionen Menschen versichert. Sie berät in den fast 200.000 Mitgliedsunternehmen zur Prävention und sorgt nach Arbeitsunfällen und bei Berufskrankheiten für die Behandlung, Rehabilitation und Entschädigung ihrer Versicherten.

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