Corona-Krise: CO2-Emissionen sinken – aber wohl nur kurzfristig

Entgegen der bisherigen Erwartungen könnte Deutschland sein Klimaziel 2020 in der Corona-Krise doch noch erreichen. Der Think Tank Agora warnt jedoch vor einem Einmaleffekt und fordert daher für die Zeit danach ein „grünes Konjunkturprogramm“.

Gähende Leere: So wie in der slovenischen Hauptstadt Ljubljana sieht es derzeit in vielen Metropolen der Welt aus. Für das Klima könnte es aber ein "Einmaleffekt" bleiben. | Foto: Adobestock
Gähende Leere: So wie in der slovenischen Hauptstadt Ljubljana sieht es derzeit in vielen Metropolen der Welt aus. Für das Klima könnte es aber ein "Einmaleffekt" bleiben. | Foto: Adobestock
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Nach einer Prognose des Think Tanks Agora Energiewende könnte die Corona-Krise dafür sorgen, dass Deutschland seine Klimaziele für 2020 doch noch erreicht. Demnach könnte der Ausstoß an Treibhausgasen gegenüber 1990 krisenbedingt nicht nur um 40, sondern sogar um 45 Prozent sinken. Ohne den Kriseneffekt wären es auch bereits 37 Prozent gegenüber 1990, wozu zuletzt vor allem der milde, aber stürmische Winter beigetragen habe.

Den Corona-Faktor taxiert der Think Tank aber je nach Verlauf der Krise auf drei bis acht Prozent zusätzlicher Einsparungen an CO2 oder mengenmäßig ausgedrückt zwischen 30 bis 100 Millionen Tonnen des Treibhausgases.  So würden die Emissionen im Verkehrsbereich durch den reduzierten Personenverkehr sinken, ebenso die Nachfrage aus der Industrie nach Strom und Erdgas infolge der konjunkturellen Auswirkungen der Krise, skizzierten die Analysten.

„Dies ist aber per se keine gute Nachricht für den Klimaschutz“, warnt Agora-Direktor Patrick Graichen.

Er erwartet, dass nach der Krise die Emissionen umso stärker wieder in die Höhe schnellen. Außerdem gebe es Anlass zu der Befürchtung, dass jetzt Investitionen in den Klimaschutz zurückgingen, etwa im Bereich der Erneuerbaren Energien, bei der Gebäudesanierung oder in der Industrie. Der Think Tank forderte daher ein grünes Wachstums- und Investitionsprogramm, damit die aktuelle Senkung kein Einmaleffekt bleibe. Die Programm müssten auch helfen, „Deutschland langfristig klimasicher aufzustellen“.

„Ein Wachstumspaket, das diese Elemente nicht berücksichtigt und blind alte Technologien förderte, wäre hier sogar schädlich, weil es höhere Emissionen auf Dauer zementieren würde“, mahnten die Agora-Analysten.

Auch der Präsident des Umweltbundesamts UBA Dirk Messner warnt vor dem Hintergrund vieler ausgefallener Reisen in der aktuellen Krisensituation vor einem Einmaleffekt. Nach der Krise sind die Emissionen wieder da, befürchtet er. Aus seinem Hause kam auch die Einschätzung auf Basis früherer Wirtschaftskrisen, dass es nach Einbrüchen der Konjunktur zu einem umso stärkeren Anziehen mit Konsequenz höherer Emissionen gekommen sei.

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