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Continental: Reifen im Zielkonflikt

Der Reifenhersteller Continental Deutschland warnt vor zu starker Fokussierung auf CO2-Reduktion und Rollwiderstand bei Nfz-Pneus und dem Einfluss auf Laufleistung sowie Traktion. Mit der Elektrifizierung sieht man weitere Herausforderungen.

E-Trucks brauchen spezielle Reifen. Der Designpneu Conti e.MotionPro wurde speziell für den elektrischen Lkw MAN CitE entwickelt und zur IAA 2018 vorgestellt. (Foto: Conti)
E-Trucks brauchen spezielle Reifen. Der Designpneu Conti e.MotionPro wurde speziell für den elektrischen Lkw MAN CitE entwickelt und zur IAA 2018 vorgestellt. (Foto: Conti)
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Anna Barbara Brüggmann
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Der Nutzfahrzeugreifenhersteller Continental Deutschland hat bei einem Jahrespressegespräch in Hannover auf den Zusammenhang zwischen der verstärkten Priorisierung auf CO2-Einsparung respektive Rollwiderstand und der Laufleistung sowie Traktion der Lkw- und Busreifen hingewiesen.

Bei dem Gespräch bekannte sich Henning Mühlenstedt, Leiter für Marketing und Vertrieb für Bus- und Lkw-Reifen in der D-A-CH-Region, aber generell zu den EU-Klimazielen und sieht auch den Beitrag der Komponente Reifen neben der Aerodynamik und der Optimierung der Motoren als entscheidenden Faktor an.

"2019 wird das Startjahr der Emissionsrevolution und Conti kann sich dieser Zeitenwende nicht entziehen. Aber wir sind darauf vorbereitet", erklärte Mühlenstedt vor Journalisten und verwies auch auf die neue Holding-Konzernstruktur, die den einzelnen Bereichen mehr Eigenständigkeit und Agilität ermögliche.

Die EU-Vorgabe, bis 2050 Klimaneutralität im Verkehr zu erreichen, sei ökologisch richtig und wirtschaftlich zwingend. Diese Zielvorgaben würden fest verankert in der Unternehmensstrategie, für jeden Wettbewerber sei es künftig schwer zu bestehen, wenn er sich nicht daran orientiere. Die Vorgabe stelle jedoch eine enorme Herausforderung dar, alleine von 2021 bis 2030 müsse man die CO2-Emissionsreduktion um das 2,5-fache beschleunigen.

Gleichwohl gebe es physikalische Grenzen und man dürfe auch die gesamte Lebenszyklusbetrachtung nicht vergessen, wenn sich etwa die Laufleistung von Reifen verschlechtere. Denn auch die Produktion neuer Reifen verschlinge viel Energie. In diesem Kontext mahnte Mühlenstedt auch an, man müsse bei einer ganzheitlichen Betrachtung die Chancen der Runderneuerung von Nfz-Reifen stärker in den Blick nehmen.

Es sei unverständlich, warum nicht mehr auf die Wiederverwendung der Karkasse fokussiert werde. Technologisch sei das kein Problem und mit neuen Reifendrucküberwachungssystemen, wie Conti PressureCheck auch sicherheitsmäßig unbedenklich, bei Nasshaftung und Laufleistung liege man ebenfalls auf hohem Niveau.

Außerdem mahnte Mühlenstedt, man dürfe nicht nur auf die CO2-Optimierung im Erstausrüstungsgeschäft blicken, die auf dem VECTO-Berechnungssystem basiert, sondern dürfe das Ersatzgeschäft ebenfalls nicht vergessen. Hier gelte wiederum die bisherige Labelung mit dem Rollwiderstandsbeiwert.

Der Conti-Reifenexperte verweist auf eine Veröffentlichung der ETRMA aus dem vergangenen Jahr, nach der sich die Label-Werte zum Rollwiderstand zwischen 2012 und 2017 kaum verändert hätten und "nahezu konstant im unteren Bereich liegen". Darin spiegele sich nicht nur das Reifenangebot wider, sondern das Ergebnis zeige auch, welchen Stellenwert der Rollwiderstand hat.

"Das Thema hat ein hohes Aufklärungspotenzial in Richtung unserer Kunden", befand der Conti-Reifen-Chef. Es dürfe keine "Zweiteilung" des Marktes entstehen, warnte Mühlenstedt weiter.

Im Hinblick auf die erwartete zunehmende Elektrifizierung von Lkw und Bussen wies Mühlenstedt darauf hin, dass dies massiven Einfluss auf die Konstruktion der Pneus habe. Die müssten die hohen Drehmomente aus dem Stand verarbeiten können, was im Zweifel zu Mehrgewicht durch stärkere Profilierung der Reifen führe.

Das widerum beeinflusse auch das Laufgeräusch, bei einem leisen Elektro-Lkw umso mehr im Fokus. Außerdem habe man höhere Lastenindizes  durch das höhere Leergewicht der E-Nutzfahrzeuge aufgrund schwerer Akkus. Man sei aber zuversichtlich, diese Zielkonflikte lösen zu können und habe mit dem Reifen Urban HA3 315/60 R22.5, eingesetzt etwa beim Mercedes-Benz eCitaro, ja auch bereits ein Serienprodukt im Markt.

Beim Thema Feinstaub mahnte Mühlenstedt eine Differenzierung zum Reifenabrieb an. Dies seien zwei verschiedene Themen, wenngleich man sich der Problematik des Abriebs - Stichwort Mikroplastik - voll bewusst sei und bereits an der Analyse der Problematik arbeite. Auf Basis der bald zu erwartenden Ergebnisse wolle man dann Vorschläge zur Lösung des Problems unterbreiten.

Im Hinblick auf die Marktentwicklung im Reifengeschäft konstatierte Mühlenstedt schon im letzten Quartal 2019 eine Eintrübung der Konjunktur. Er führte unter anderem den Brexit und den Handelsstreit mit China als Ursachen an.

Bei den Nutzfahrzeugreifenverkäufen in Deutschland habe es zwar eine leichte Steigerung gegeben, zum Jahresende hin aber eine spürbare Eintrübung. Für 2020 erwartet der Vertriebsmann maximal eine Stagnation, tendenziell aber eher einen weiter leicht rückläufigen Markt.

Zur IAA Nutzfahrzeuge 2020 kündigte Mühlenstedt Neuheiten beim Thema Telematik an, wo das Update für das Flottenadministrationssystem Cesar 2.0 im Rahmen des Conti 360°-FleetService ansteht. Schon jetzt ließen sich über Conti Connect die Reifen "digital" an die Telematik anbinden.

Als "Hardware"-Neuheiten kündigte Mühlenstedt einen neuen Conti Eco Regional als Bindeglied zwischen Eco Plus und Eco Hybrid an, der bereits den strikteren CO2-Vorgaben der OEMs Rechnung trage.

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