Conference Days 2022: VDA-Geschäftsführer sprechen über die Logistik-Zukunft

Im Rahmen der Conference Days 2022 erklären die VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel und Andreas Rade, warum mit dem Ukraine-Krieg die Welt eine andere ist, die Hersteller längst bereit sind und man die Debatte um die Transformation branchen- und grenzübergreifend führen sollte.

Das technische Quartett: Die VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel (u.re.) und Andreas Rade (u.li.) sprachen mit der LOGISTRA-Redaktion über die Krisen und die Chancen für die Transformation. | Foto: HUSS-VERLAG
Das technische Quartett: Die VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel (u.re.) und Andreas Rade (u.li.) sprachen mit der LOGISTRA-Redaktion über die Krisen und die Chancen für die Transformation. | Foto: HUSS-VERLAG
Nadine Bradl
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Elektromobilität, Infrastruktur und neue Energieträger – Deutschlands Logistik auf dem Weg in die Zukunft, so lautete das Thema des virtuellen Spitzengesprächs im Rahmen der Conference Days 2022, den LOGISTRA-Chefredakteur Tobias Schweikl und Johannes Reichel, Leiter Test & Technik leichte Nutzfahrzeuge im HUSS-VERLAG, mit den beiden VDA-Geschäftsführern Andreas Rade und Jürgen Mindel führten. Die Talkrunde befasste sich mit den aktuellen Trends und Themen, auch vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine. Wie muss die Transformation des Transportsektors und die Abkehr von fossilen Energien hin zu Erneuerbaren in dem Zuge noch beschleunigt werden und was können Transport und Logistik zum „Fit for 55“-Programm der EU beitragen, waren die leitenden Fragen, auch im Vorfeld der IAA TRANSPORTATION (20.-25. September) in Hannover.

Sanktionen: Primat der Politik vor der Ökonomie

Nach dem Dafürhalten der VDA-Chefs, die sich klar hinter die harten Sanktionen der Bundesregierung stellten und den Primat der Politik vor der Ökonomie sehen, setzt der kaum für möglich gehaltene innereuropäische Krieg in der Ukraine die Lieferketten unter massiven Stress und die Beschaffung kritischer Rohstoffe noch stärker unter Druck. Vor allem werde in der Transformation Zeit verloren, man müsse sich neu sortieren, Kapazitäten in den Ministerien würden gebunden für Krisenmanagement statt Klimapolitik. Auch Themen wie der ohnehin vorhandene Fahrermangel würden weiter verstärkt. Die Welt werde nach der russischen Invasion in der Ukraine eine andere sein - und man müsse sehen, wie man den Wandel in dieser anderen Welt hinbekommt.

Herauswachsen aus der Krise: Industrie ist bereit

Dennoch zeigten sich die beiden Geschäftsführer zuversichtlich, dass die Transformation speziell im Nutzfahrzeugbereich schnell gelingt. Vor allem die LNG-Technologie, die vor dem Hintergrund des Krieges noch aktueller geworden ist, biete hier viele Möglichkeiten als Brückenlösung und für raschere Autarkie. Grundsätzlich habe der Antrieb der Anwendung zu folgen, was auch die Optionen mit Wasserstoff und Brennstoffzelle noch offen lasse. Hier gelte es auch, in großen Dimensionen zu denken, Deutschland werde nie energieautark sein können, aber seine Ressourcen etwa mit internationalen Kooperationen diversifizieren können.

Es sei nicht angebracht, verzagt zu sein, sondern mit Schwung und Dynamik in die Zukunft zu gehen. Die Mitglieder des Verbandes, den die Geschäftsführer als "Dienstleister" sehen und für breitere gesellschaftliche Debatten öffnen wollen, jedenfalls seien bereit. Es gelte, Pragmatismus vor Ideologie zu stellen und die Impulse zum Herauswachsen aus der Krise zu nutzen.

EU-Programm: Ambitioniert, aber machbar

Insofern halten die VDA-Geschäftsführer auch die Vorgaben des EU-Klimaschutzprogramms für den Bereich für "ambitioniert, aber machbar". Es gebe keine Zieldebatten mehr, sondern ein klares Commitment der Hersteller, die in den nächsten Jahren 220 Milliarden Euro in die Antriebswende investierten. Darüber hinaus machten sich die VDA-Spitzen für eine Strategie stark, die weg von einer Industrie hin zu verkehrs- und branchenübergreifenden Lösungen geht. So werde die Mobilitätswende nur mit einer Energiewende und mit dem Aufbau einer Ladeinfrastruktur gelingen, die etwa auch für Trucks und Busse im Nutzfahrzeugbereich nutzbar sein sollte. Auch spiele die Mobilität, etwa in der Citylogistik, stark in die Stadtplanung in den Kommunen hinein. Hier sei die Politik gefragt, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, in denen die Unternehmen dann rationale Entscheidungen treffen könnten, so die VDA-Chefs. Sie regten unter anderem einen zeitnahen nationalen Ladegipfel an.

Noch viel mehr als die Elektrifizierung und Antriebswende stoße man bei der Digitalisierung in andere Dimensionen vor, bei denen Deutschland aktuell nicht vorne dabei sei in der Welt. Hier gelte es, rasch einen Raum für Innovationen zu schaffen. Genau das hat sich der Automobilverband für die kommende IAA TRANSPORTATION zum Ziel gesetzt: Die IAA solle ein "Erlebnisraum" werden, der die klassischen Themen wie Antriebe mit den neuen Themen Digitalisierung, Telematik und Software verknüpfe.

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