Conference Days 2022: Energiepreise setzen Branchen unter Druck

Welche Essenz ziehen wir aus den Conference Days? Das war die Frage bei der Abschluss-Veranstaltung des vom HUSS VERLAG initiierten Event. Im Fokus am Ende: Die sehr virulenten Störungen der Lieferketten und die hohen Energiepreise.

 

Abschlusspodium (v.l.): Gunnar Knüpffer, Nadine Bradl, Gregor Soller, Rainer Langhammer. (Screenshot: HUSS-VERLAG)
Abschlusspodium (v.l.): Gunnar Knüpffer, Nadine Bradl, Gregor Soller, Rainer Langhammer. (Screenshot: HUSS-VERLAG)
Christine Harttmann

Die Diskussionen der vergangenen Conference Days Revue passieren lassen, das wollte Rainer Langhammer, Geschäftsführer des HUSS VERLAGs, auf der Abschlussveranstaltung am Freitag, 1. April 2022.

„Über 50 Sessions auf drei Bühnen an zehn Tagen haben wir sehr, sehr erfolgreich hinter uns gebracht“, sagte der Geschäftsführer.

Es war ein bunter Strauß von Themen, die Moderatoren, Gäste und Unternehmen auf den drei Bühnen der Conference Days die präsentierten. Welche Essenz sich daraus ziehen lässt, darüber sprach Langhammer mit Logistik Heute-Redakteur Gunnar Knüpffer, Nadine Bradl, stellvertretende Chefredakteurin der Zeitung Transport und dem Chefredakteur der Vision Mobility, Gregor Soller. Im Rückblick fragte er zunächst:

„Lieferketten in Krisenzeiten: Back too the Roots? Kommt die Produktion zurück nach Europa?“

Mittelfristig könne das schon passieren, antwortete Knüpffer, auch wenn davon in der Corona-Pandemie noch nichts zu spüren gewesen sei. Inzwischen zeichne sich aber ein gewisser Trend ab. Er unterstrich noch einmal, wie groß der Druck auf die Lieferketten derzeit ist. So setze ein erneuter Lockdown in Shanghai die Lieferketten in Asien unter Druck. Und auch in Europas Osten läuft längst nicht alles rund.

„Der Ukraine-Krieg führt dazu, dass Handel und Transporte nach Russland weitgehend ausgesetzt sind.“

Kritisch könnte sich auch die Sache mit den Energielieferungen aus Russland entwickeln. In dieser Situation zeichne sich mittelfristig eine Verlagerung der Produktion nach Europa ab. Als ein Beispiel dafür nannte Knüpffer Intel. Der Chiphersteller plant gerade ein Produktionswerk in Deutschland und will außerdem in anderen europäischen Ländern investieren. Auch Teslas Giga-Factory bei Berlin gebe gewisse Hinweise. Investitionen in die Energieerzeugung in Deutschland erwartet Knüpffer, damit Deutschland unabhängiger von russischer Gas- und Ölversorgung wird.

Für die Berufskraftfahrer sprang dann Nadine Bradl in die Bresche. Sie setzte sich mit der kontrovers diskutierten These auseinander:

„EU-Mobilitätspaket: Bleiben deutsche Berufskraftfahrer auf der Strecke?“

Ja, findet die stellvertretende Chefredakteurin der Zeitung Transport. Die EU versuche das Pferd von hinten aufzuzäumen.

„Die Fahrer dürfen ihre Pausen nichtmehr im Lkw verbringen. Es fehlt aber eindeutig an Alternativen“, kritisierte sie.

So gebe es zu wenige Pensionen die günstig sind, in der Nähe der Autobahn liegen und die Parkplätze für Lkw haben. Auch sonst ist die Parkplatz-Infrastruktur recht dürftig. Dahingegen hätten viele Fahrer der hiesigen Unternehmen neue und schöne Lkw.

„In denen fühlen sie sich wohl. Vielleicht wohler als in einer günstigen Pension.“

Für viele dieser Trucker sei ihr Lkw gleichzeitig ihr Wohnzimmer, entsprechen haben sie die Trucks auch eingerichtet.

„Aber jetzt dürfen sie in ihrem Wohnzimmer nicht mehr bleiben.“

Das primäre Ziel des EU-Mobilitätspaketes aber – die ausländischen Fahrer vor Ausbeutung zu schützen – das werde nicht erreicht. Es fehle dafür an den nötigen Kontrollen und den Sanktionen für Firmen, die sich nicht an die Vorschriften halten.

Bradl kritisiert, dass außerdem einige der Vorschriften im Mobilitätspaket an der Realität vorbeigehen. So führe die Rückkehrpflicht schlicht dazu, dass die Unternehmen Standorte in Deutschland eröffnen, an denen die Lkw dann angemeldet sind.

Es sei gut, dass dieses EU-Mobilitätspaket, dem so viele Länder zustimmen mussten, geschaffen worden sei. Nun müsse es sich in der Praxis bewähren, zitierte Bradl schließlich Udo Schiefner. Der SPD-Politiker hatte sich in der Diskussion mit der Zeitung Transport auf der Truck & Bus-Bühne entsprechend geäußert. Aber was bringt es, wenn man es nicht kontrollieren kann, schob Bradl nach.

„Es muss also zunächst die Infrastruktur geschaffen werden, damit sich die Fahrer wohlfühlen können, auch wenn sie länger unterwegs sind.“

Bradl versteht vor darunter allem saubere und sicher Lkw-Stellplätze mit Toiletten und Sanitärräumen.

Der deutsche Berufskraftfahrer in einem gut ausgestatteten Lkw habe es sicherlich schöner, als auf mancher Raststätte, gab ihr Langhammer recht, um sich dann mit einer neuen Frage an Gregor Soller zu wenden.

„Elektromobilitätsschub durch Energiepreis-Explosion: Warum wird eigentlich der Ökostrom auch teurer?“

Das hänge mit dem Handel über die Strombörsen zusammen, erklärte Soller. Der führe dazu, dass Energie generell teurer werde, sobald der Preis für Öl, Kohle und Gas steige. Deswegen müssen wir wohl mit den hohen Preisen leben, solange wir einen großen Teil unserer Energie aus Russland beziehen. Soller sieht da nur einen Ausweg:

„Wenn wir uns entkoppeln, dann müssen wir die hohen Preise nicht mehr hinnehmen.“

Möglich ist das nur, wenn wir die regenerativen Energien ausbauen. Das aber werde wohl noch ein Weilchen dauern. Inzwischen, so Sollers Prognose, bleiben die Energiepreise hoch. Wenn dann noch die Lieferketten stocken, werde das die Preise weiter treiben, wirft Knüpffer ein.

„Und bei den Lieferketten stehen wir erst am Anfang der Probleme.“

Man müsse sich auf eine weitere Verschlechterung einstellen, so der Logistik Heute-Redakteur. Er rechnet mit daher weiter steigenden Energie-Preisen.

Das ruft Bradl wieder auf den Plan, die um die Transportbranche fürchtet:

„Für den Transport ist das natürlich katastrophal!“

Wie sollen denn die Transportunternehmen in ihre Verträge Kosten einpreisen, die diese nicht kalkulierbar sind, fragt sich Bradl. Sie fordert „ganz dringend“ eine Übergangshilfe für die Branche – ähnlich der für Gastwirte in der Corona-Pandemie.

Am Schluss wird es dann aber doch wieder versöhnlich. Knüpffer lobt die Entwickler von Logistikimmobilien, bezeichnet sie gar als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und Ökologie.

„Für sie sind Solarzellen Pflicht. Sie denken an soziale Aspekte und sie setzen auf erneuerbare Energien.“

Bradl zitiert in ihrem Abschlussstatement den Spediteur Joachim Fehrenkötter:

„Wir brauchen zwar Unterstützung. Aber wir stehen nicht vor der ersten Krise und wir haben auch schon welche gemeistert und wir werden auch diese Krise meistern.“

Ganz ohne Unterstützung wird es zwar nicht gehen, aber der Ausblick bleibt positiv.

„Wir sind auf einem guten Weg, müssen unabhängiger werden, auch unabhängiger von fossiler Energie und wir treiben die Digitalisierung voran“, schloss schließlich Soller die Diskussion, der darauf hofft, dass wir gestärt aus der Krise hervorgehen.

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