City-Logistik: Kühlwaren Dieselfrei ausliefern

Einen speziellen Akku für den Strombetrieb von Kühlaggregaten, einen sogenannten Power Pack, liefert AddVolt. Zusammen mit entsprechender Leistungselektronik kann er den Dieselbetrieb sogar komplett ersetzen.

Entladen in der Tiefgarage - mit laufendem Diesel nicht möglich. (Foto: AddVolt)
Entladen in der Tiefgarage - mit laufendem Diesel nicht möglich. (Foto: AddVolt)
Christine Harttmann

Das Konzept von AddVolt: Das Aggregat des Aufliegers dauerhaft über die Standkühlung betreiben. Die dafür notwendige Energie liefert der AddVolt-Akku in Verbindung mit entsprechender Leistungselektronik. Als „fahrbare Drehstromsteckdose“ bezeichnet der Hersteller sein System, das – je nach Größe des Akkus – den Dieselbetrieb komplett ersetzen kann. Angeboten wird auch eine Version, bei der über einen Generator während der Fahrt Bremsenergie rekuperiert und in den Akku eingespeist wird. Damit verlängere sich die Reichweite, so AddVolt.

Einen ersten Praxistest hat die Technik, die das noch junge Unternehmen jetzt auf den Markt bringt, bereits bestanden. Das Fuhrparkmanagement des Frischegroßhändlers Weihe setzte das System zunächst in einem Mietfahrzeug – safety first. Über einen eingebauten Strom-Zähler sei, so die Beschreibung des Versuchsaufbaus, der Stromverbrauch für die Ladung des Akkus genau ermittelt und die täglichen Stromkosten des AddVolt-Systems den Kosten für die Dieselkühlung gegenübergestellt worden. Dabei sei festgestellt worden, so AddVolt zum Ergebnis dieses Versuchs, dass die laufenden Betriebskosten für den Elektrobetrieb um mehr als sieben Euro unter dem täglichen Dieselbetrieb liegen – bei voller Leistung im Kühlbetrieb. Für den Fuhrparkleiter von Weihe war das überzeugend genug. Im September 2019 hat er ein mit dem AddVolt-System nachgerüstetes Fahrzeug in seinen Fuhrpark integriert.

Für Inga, die Fahrerin dieses Lkw, bedeutet die neue Technik kaum eine Umstellung. Wenn sie ihre tägliche Tour um die Mittagszeit beendet, stellt sie das Fahrzeug an der Rampe ab und steckt das Kabel für den Power Pack an der Steckdose ein. Nachmittags wird so bereits der Akku für den nächsten Tag aufgeladen. Über eine Zeitschaltung wird später, vor dem Beladen, der Laderaum vorgekühlt. Mit vollem Akku und einer Ladung mit 23 Rollcontainern Frischware startet Ingas Tagestour dann morgens um 2.30 Uhr in Richtung Innenstadt zu insgesamt 20 verschiedenen Kunden.

Als positiv beschreibt Inga, dass die genervten Anwohne oder Passanten, die sich durch den Motorenlärm und -gestank unter ihrem Fenster gestört fühlten, jetzt der Vergangenheit angehören. Seit die Kühlung elektrisch laufe, gebe es die Diskussionen mit Anwohnern nicht mehr. Unter den Kunden, die täglich angefahren werden, sind auch mehrere Hotels, die über die Hoteltiefgarage angeliefert werden müssen.

„Die Wärme in den Tiefgaragen würde den Laderaum innerhalb von kurzer Zeit so erwärmen, dass die Ware für den nächsten Kunden unbrauchbar wäre, daher dürfen wir hier auf keinen Fall auf die laufende Kühlung verzichten“, sagt Inga.

Während der Fahrt hat die Fahrerin die Transporttemperatur immer im Blick. Sollte an sehr heißen Tagen einmal der Strom aus dem Akku zu Ende gehen, gäbe es beim eingebauten Kühlgerät, einer TRS aus dem Hause Carrier, noch die Möglichkeit, auf den Nebenabtrieb (Eco Drive) umzuschalten und so die Kühlung zu betreiben. Bisher sei der Power Pack jedoch, trotz Dauerbetrieb des Kühlaggregates, bei keiner Tour leergefahren worden.

Währenddessen nutzt die Disposition zusätzlich zu ihrem Tourenplanungssystem das Monitoring MyAddVolt. Dadurch kann sie „live“ mitverfolgen, wie die Tour verläuft, ob die Kühlung durchgehend im Elektromodus betrieben wird und wie sich die Reichweite des Power Packs verhält. Auch die Kosteneinsparung durch den Elektrobetrieb behält der Mitarbeiter am Monitor im Blick. Trotz hoher Anschaffungskosten hat das System Fuhrparkleiter Michael Berger und die Geschäftsleitung der Weihe überzeugt:

„Die Investitionskosten für das AddVolt System sind natürlich hoch. Der Elektrobetrieb senkt zwar die laufenden Kosten, es rechnet sich aber rein kostenmäßig zunächst nicht, beziehungsweise erst in einigen Jahren. Den Hauptvorteil mit der AddVolt-Anlage sehen wir für uns darin, dass während der Tour die Kühlung durchgehend mit voller Leistung im Elektrobetrieb läuft. Außerdem ist der Umweltfaktor für uns sehr wichtig“, zieht Michael Berger sein Résumé.

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