BVL: Die Chancen des Brexit nutzen

Großbritannien verlässt jetzt endgültig die Europäische Union. Damit wird sich für beide Seiten einiges ändern. Auch die Logistik muss sich auf die neue Situation einstellen kann sie aber auch als Chance nutzen.

„Die Wirtschaftswege werden sich künftig verändern“, Robert Blackburn, Vorstandsvorsitzender der BVL. (Foto: BVL)
„Die Wirtschaftswege werden sich künftig verändern“, Robert Blackburn, Vorstandsvorsitzender der BVL. (Foto: BVL)
Christine Harttmann

Doch nach dem Austritt zum 31. Januar 2020 folgen erstmal Verhandlungen über ein Handelsabkommen. Bis Ende des Jahres sollen die abgeschlossen sein, mit welchem Ergebnis ist allerdings noch fraglich.

Doch was auch immer kommen wird, Robert Blackburn, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL), ist sich sicher, dass seine Branche gut vorbereitet ist. „Wir haben die vergangenen Jahre genutzt, um uns bestmöglich darauf vorzubereiten“, so Blackburn in einem Interview, das der BVL am 30. Januar veröffentlicht hat. „Probleme bleiben dennoch, vor allem weiß bis zum heutigen Tage niemand, wie die Briten den Brexit im Detail und in der Praxis ausgestalten werden.“ Er betont aber auch, dass die meisten Unternehmen von der höchsten Eskalationsstufe ausgegangen sind: einem No-Deal-Brexit. Entsprechend hätten sie bereits ihre Güterströme überall dort, wo es möglich war, verlagert oder ihre Läger für eine Übergangszeit entsprechend bevorratet.

Auch der französische und der britische Zoll waren bereits aktiv und testeten im vergangenen Jahr, wie sich der Lkw-Verkehr auf beiden Seiten des Eurotunnels im Falle einer Zollabfertigung verhalten würde. Dabei habe sich gezeigt, so Blackburn: „Wenn Frachttransporte, die im Vorfeld angemeldet werden, mit einem entsprechenden Barcode versehen die Grenze passieren, können sie schnell geprüft werden und der Lkw-Verkehr bleibt im Fluss.“

Doch auch wenn die Zollbehörden noch so effizient arbeiten, wird die Grenze zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich wird eine Bruchstelle im ansonsten freien Warenverkehr darstellen und für beide Seiten Nachteile bringen.

Dennoch ist meint Blackburn, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU möglicherweise auch mit Chancen verbunden ist. Denn gerade der schwebende Brexit habe dazu geführt, dass Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals ihre etablierten Supply Chains genau analysiert haben. „Und damit ist stets die Chance verbunden, Abläufe nicht nur anzupassen, sondern auch zu optimieren“, so der BVL Vorstandsvorsitzende. „Für viele Unternehmen war der Brexit außerdem ein wichtiger Treiber der digitalen Transformation ihrer Prozesse, und die positiven Auswirkungen dieser Entwicklung werden noch weit über den Austritt Großbritanniens aus der EU hinaus spürbar sein.“

Eine Chance könnte die neue Situation außerdem für die Logistikströme sein. So diskutiert die EU momentan neue Fährverbindungen zwischen Irland und dem europäischen Festland. Damit sollen Zwischenstopps in England vermieden werden.

 „Die Wirtschaftswege werden sich künftig verändern und beispielsweise europäische Häfen statt – wie bislang – die englischen verstärkt zur ersten Anlaufstelle für Überseetransporte werden“, meint Blackburn hierzu. „Kurz: Der Markt wird sich auch diesen veränderten Gegebenheiten anpassen. Die Logistikspezialisten aus Industrie, Handel und Dienstleistung sind bestrebt, das Beste aus der Situation zu machen. Aber wir werden wohl erst am Ende des Jahrzehnts abschätzen können, welche Auswirkungen uns der Brexit wirklich beschert hat.

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