Brennstoffzelle: Daimler und Volvo wollen kooperieren

Gemeinsam wollen Daimler Truck AG und Volvo Group den nachhaltigen Transport forcieren und gründen dafür ein Joint Venture. Dessen Aufgabe ist es, die Brennstoffzelle zu forcieren.

Montagelinie für eine Brennstoffzellen-Antriebseinheit in Kirchheim-Nabern. (Foto: Daimler AG)
Montagelinie für eine Brennstoffzellen-Antriebseinheit in Kirchheim-Nabern. (Foto: Daimler AG)
Christine Harttmann

Die beiden Nutzfahrzeughersteller teilen laut eigenen Angaben die Vision des „Green Deal“. Dazu gehören ein nachhaltiger Transport und ein CO2-neutrales Europa bis zum Jahr 2050. Nun haben die Unternehmen eine vorläufige, nicht bindende Vereinbarung zur Gründung eines neuen Joint Ventures unterzeichnet. Dessen Ziel soll die serienreife Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Brennstoffzellensystemen für den Einsatz in schweren Nutzfahrzeugen und anderen Anwendungsfeldern sein. Daimler wird alle seine derzeitigen Brennstoffzellen-Aktivitäten in dem Joint Venture zusammenführen. Die Volvo Group wird 50 Prozent des Joint Ventures für die Summe von etwa 0,6 Milliarden Euro auf einer barmittel- und schuldenfreien Basis erwerben.

„Transport und Logistik halten die Welt am Laufen, gleichzeitig wächst der Transportbedarf weiter. Ein wirklich CO2-neutraler Transport wird nur durch einen elektrischen Antriebsstrang erreicht werden, wobei die Energie aus zwei Quellen kommen kann: entweder aus Batterien oder durch die Umwandlung von Wasserstoff in Elektrizität an Bord des Fahrzeugs“, beschreibt Martin Daum, Vorsitzender des Vorstands der Daimler Truck AG und Mitglied des Vorstands der Daimler AG, die Aufgabe. „Für den Lkw-Einsatz im schweren Fernverkehr sind Brennstoffzellen eine entscheidende Lösung – eine Technologie, bei der Daimler in den letzten zwei Jahrzehnten mit der Mercedes-Benz Fuel Cell GmbH bereits bedeutendes Know-how aufgebaut hat.“

Die Partnerschaft mit der Volvo Group sei nun ein Meilenstein, um brennstoffzellenbetriebene Lkw und Busse nun auf unsere Straßen zu bringen, so Daum weiter.

„Die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs ist ein Schlüsselelement für die Umsetzung des sogenannten Green Deal, für ein CO2-neutrales Europa und letztendlich für eine CO2-neutrale Welt“, fügt Martin Lundstedt, Präsident und CEO der Volvo Group, hinzu. Wasserstoff sei dabei als Träger von „Ökostrom“ zum Antrieb von Elektro-Lkw im Fernverkehr eine gute Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen und erneuerbaren Kraftstoffen.

„Mit der Gründung dieses Joint Ventures zeigen wir deutlich, dass wir an die mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzelle für Nutzfahrzeuge glauben. Damit diese Vision jedoch Wirklichkeit werden kann, müssen auch andere Unternehmen und Institutionen diese Entwicklung unterstützen, nicht zuletzt, um die erforderliche Kraftstoffinfrastruktur aufzubauen.“

Die Daimler Truck AG und die Volvo Group werden zu je 50 Prozent am Joint Venture beteiligt sein. Das Unternehmen selbst soll dann als unabhängige und selbständige Einheit agieren. In allen anderen Geschäftsfeldern würden, so die Mitteilung, beide Nutzfahrzeughersteller weiterhin Wettbewerber bleiben. Die Bündelung der Kräfte im Bereich der Brennstoffzellen werde die Entwicklungskosten für beide Unternehmen senken, so beschreiben sie die Vorteile, und die Markteinführung von Brennstoffzellensystemen in Produkten für den schweren Transport und anspruchsvolle Langstreckeneinsätze beschleunigen. Im Kontext des gegenwärtigen wirtschaftlichen Abschwungs sei eine Zusammenarbeit noch notwendiger geworden, um die Ziele des Green Deal in einem realistischen Zeitrahmen zu erreichen.

Das gemeinsame Ziel beider Unternehmen ist, in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts schwere Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge für den anspruchsvollen und schweren Fernverkehr in Serie anzubieten. Darüber hinaus befasst sich das Joint Venture auch mit anderen Anwendungsfällen.

Um das Joint Venture zu ermöglichen, bündelt Daimler Trucks alle konzernweiten Brennstoffzellen-Aktivitäten in einer neuen Brennstoffzellen-Einheit. Dazu gehört die Zuordnung der Aktivitäten der Mercedes-Benz Fuel Cell zur Daimler Truck AG. Die Mercedes-Benz Fuel Cell verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Brennstoffzellen- und Wasserstoffspeichersystemen für verschiedene Fahrzeuge.

Die unterzeichnete vorläufige Vereinbarung sei jedoch nicht bindend, betonen die beiden Unternehmen. Eine endgültige Vereinbarung werde bis zum 3. Quartal erwartet und solle noch vor Jahresende 2020 abgeschlossen werden. Alle potenziellen Transaktionen unterliegen der Prüfung und Genehmigung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden.

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