Branchenindex: Laderaumkapazitäten steigen, Preise sinken

Die Folgen des Coronavirus scheinen auch auf den europäischen Transportmarkt zu wirken. Das lässt sich aus den aktuellen Zahlen des Transport Market Monitor herauslesen, die auf mehr freien Laderaum und sinkende Preise hinweisen.

Im Februar boten die Unternehmen deutlich mehr freien Laderaum als im Januar. (Foto: C. Harttmann)
Im Februar boten die Unternehmen deutlich mehr freien Laderaum als im Januar. (Foto: C. Harttmann)
Christine Harttmann

Nachdem schon im Januar die freien Kapazitäten auf dem Transportmarkt gegenüber Ende 2019 um 17 Prozent zugelegt hatten, erhöhte sich der am Markt verfügbare Frachtraum in Februar noch einmal um 30 Prozent. Mit dem deutlichen Kapazitätszuwachs verbunden waren sinkende Transportpreise. Der Laderaum wurde im Februar um 8,6 Prozent billiger angeboten als noch im Januar.

Diese Zahlen ergeben sich aus dem Transportmarkt Monitor, der auf der Auswertung der aktuellen Spotmarktdaten der Transporeon-Plattform basiert. Die Analyse resultiert aus den mehr als 1,8 Millionen Frachtaufträgen, die diese Plattform jährlich generiert. Die Ergebnisse veröffentlicht dann Transporeon gemeinsam mit seinem Tochterunternehmen Tim Consult.

Die Auswertung vom Februar 2020 zeigt, dass der Kapazitätsindex, der Aufschluss über die freien Ladekapazitäten im Markt gibt, von 122,5 Indexpunkten im Januar auf 159,4 Indexpunkte zulegte. Mit diesem 30,1-prozentigen Anstieg erreichte diese Messgröße ihren höchsten Wert seit 2008.

Der Transportpreisindex ist auf 94,8 Indexpunkte gesunken, was einem Preisrückgang um 8,6 Prozent verglichen mit dem Vormonat entspricht. Der der starke Anstieg der verfügbaren Transportkapazität hat sich im Februar auch in der Chemie- und Pharmaindustrie (+25,6 Prozent), der Baustoffbranche (+29,5 Prozent) oder im Automobilsektor (+21,3 Prozent) fortgesetzt. Der Dieselpreisindex sank gegenüber Januar um 3,1 Prozent gesunken, liegt damit aber weiterhin noch um 1,1 Prozent über dem Wert im Februar 2019.

„Wir beobachten seit Monaten tendenziell zunehmende Kapazitäten und sinkende Preise. In den Indikatorindustrien fiel der Rückgang der Transportpreise im Februar jedoch besonders deutlich aus. In der Chemie- und Pharmaindustrie beispielsweise betrug der Preisverfall 14,2 Prozent“, Tim Consult-Geschäftsführer Oliver Kahrs.

Deutlich weniger Kapazitäten auf Italien-Routen

Obwohl letzten Monat europaweit mehr Transportkapazität am Spotmarkt verfügbar war als Vorjahr, wurde aus vielen europäischen Ländern auf Transportrouten nach Italien kurzfristi deutlich weniger Frachtraum angeboten.

„Das könnte mit der Ausbreitung des Coronavirus in Italien ab Mitte Februar zusammenhängen. Vieles deutet darauf hin, dass in der aktuellen Situation weniger Transportdienstleister bereit sind, den italienischen Markt zu bedienen“, meint Kahrs.

Bei Transporten innerhalb Italiens zeigte sich im Februar ein anderes Bild. Im nationalen Geschäft waren die verfügbaren Kapazitäten dieses Jahr um 12,5 Prozent höher als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Dennoch sind auch die Preise um 15,3 Prozent gestiegen.

„Die Spediteure innerhalb Italiens bieten den vorhandenen Frachtraum umfassend an, scheinen aber Aufschläge für ihre Dienstleistung zu verlangen. Die Verlader wiederum akzeptieren teurere Preise, obwohl sie eigentlich mehr Angebote bekommen haben als im Februar 2019“, erklärt Kahrs.

Auch in Gesamteuropa rechnet Kahrs mit Auswirkungen durch das Coronavirus: Während sich das Angebot an freiem Frachtraum bislang ab März saisonal bedingt stets wieder reduziert hat, könnte die Entwicklung in diesem Jahr anders verlaufen. Laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) seien die Folgen des Coronavirus in der globalen Wirtschaft und der exportorientierten deutschen Industrie deutlich zu registrieren.

„Eine wirtschaftliche Eintrübung würde das Kapazitätsangebot in den kommenden Monaten entgegen der bekannten Muster weiter steigen lassen“, sagt Kahrs. „Die Auswertungen des Transport Market Monitors werden die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung also besonders frühzeitig wiederspiegeln“, so Kahrs weiter.

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