BPW: Neue KI-Funktion für Trailerfahrwerk iC Plus

Der Nfz-Achsspezialist arbeitet weiter an der Digitalisierung seines Fahrwerks iC Plus. Nach der letzten Ergänzung, einer Echtzeiterfassungsfunktion der Trailerbeladung im Herbst 2023, folgt eine mit Künstlicher Intelligenz (KI) arbeitende Bremsenprüfung. Die Entwicklung soll sich bereits in England bewährt haben.

Das iC Plus-Trailerfahrwerk von BPW kann jetzt nicht nur Lasten ermitteln, sondern auch den Bremsenzustand.| Bild: BPW.
Das iC Plus-Trailerfahrwerk von BPW kann jetzt nicht nur Lasten ermitteln, sondern auch den Bremsenzustand.| Bild: BPW.
Daniela Sawary-Kohnen
(erschienen bei PROFI-Werkstatt von Claudia Leistritz)

In der Transportbranche gehören die Hersteller von Trailer-Fahrwerksystemen wie das nordrhein-westfälische Unternehmen BPW oder SAF-Holland in Unterfranken zu den Vorreitern in der Digitalisierung ihrer Komponenten. Auf dem Feld besonders ambitioniert zeigt sich derzeit BPW. Nach der Einführung des bereits mit Methoden der Künstlichen Intelligenz ausgestatteten "denkenden Trailerfahrwerks" iC Plus vor einem Jahr und der Ergänzung einer Funktion zur Lastenermittlung im Oktober 2023 setzt das Unternehmen nun den logischen nächsten Schritt und setzt die (Teil-) Automatisierung seines High-Tech-Produkts mit KI-Funktionen fort.

Diesmal geht es um die bestmögliche Kontrolle und Ausnutzung des Bremsmaterials, um die Betriebskosten im Rahmen zu halten. Laut Pressemeldung greift der Fahrwerkexperte hierbei auf eine in Großbritannien erprobte Anwendung zurück.

Kontrolle kritischer Bauteile

Die Fähigkeiten des um intelligente Funktionen erweiterten, ab Werk mit Telematik-Hardware ausgestatteten iC Plus-Fahrwerks erstrecken sich somit nicht mehr nur auf die Erfassung von Achslasten, sondern beziehen auch die Kontrolle kritischer Komponenten mit gegebenenfalls entsprechender Warnung mit ein. Das andernorts in Europa offenbar bereits als betriebsfördernd wahrgenommene Konzept scheint nun breitere Akzeptanz zu finden. So schreibt BPW:

„Die neue Fahrwerksgeneration iC Plus von BPW nutzt intelligente Algorithmen, um die Bremsperformance zu analysieren. Was in Großbritannien seit Jahren Prüf- und Stillstandzeiten spart, rollt jetzt erstmals europaweit an.“

Mit dem Fortschritt der Digitalisierung durchdringen immer mehr Funktionen den Alltag, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) die Sicherheit und Schnelligkeit der Abläufe steigern, Betriebskosten verringern oder Personalmangel ausgleichen sollen. Auch die Mobilitätsbranche macht zunehmend Gebrauch von der datengestützten Technologie, mit der voraussichtliche Unfälle berechnet, Diagnosedaten erfasst oder Personen authentifiziert werden.

KI als Grundlage für autonome Mobilität

Und mit der seitens der Automobilindustrie derzeit stark favorisierten Elektromobilität ist auch die Entwicklung elektromobiler, autonomer Fahrzeuge nicht nur für abgegrenzte Transport- oder Logistikzwecke, sondern auch zur Personenbeförderung per Pkw, Transporter, Shuttle oder Bus verbunden, die zur Bewältigung komplexer Verkehrssituationen auf viel Rechenleistung und Künstliche Intelligenz angewiesen sind. Um die Technologie zügig in den Verkehr zu bringen, fördert der Bund schon seit längerer Zeit mehrere Forschungsprojekte zu dem Thema.

Kombination digitaler, telematikbasierter und KI-gestützter Informationen

Auch die BPW-Gruppe arbeitet in ihrem Bereich seit Jahren an der fortgeschrittenen Digitalisierung ihrer Services: das bedeutet die Vernetzung von Fahrer, Fracht und Fahrzeugen, um Fuhrparkunternehmen zur Optimierung der Wirtschaftlichkeit umfassenden Einblick in alle Einzelheiten ihrer Betriebsabläufe gewähren zu können. Für sein ab Juli 2024 gesetzlich auch für neu zugelassene Lkw-Trailer vorgeschriebenes Reifendruckkontrollsystem (RDKS) nutzt BPW zum Beispiel auch telematikbasierte Funktionen, entwickelt vom Tochterunternehmen Idem Telematics.

Zur Durchleuchtung seiner Trailerfahrwerke erstellt BPW schon seit längerer Zeit grundsätzlich einen digitalen Zwilling. Anhand der „digitalen DNA“, also den Grundelementen dieser virtuellen Kopie werden mögliche Effizienzgewinne „entlang des gesamten Lebenszyklus“ ermittelt: von der Konstruktion und Montage über den Fahrbetrieb bis zur Wartung und Reparatur.

Mit der neuen Fahrwerksgeneration iC Plus aber setzt BPW seinen Weg der Digitalisierung konsequent fort. Die serienmäßig mit Telematik-Hardware ausgestattete Trailer-Komponente erhält somit eine weitere KI-Funktion, die anhand intelligenter Algorithmen zum Beispiel erkennen kann, ob das Fahrwerk-Datenmuster bei kritischen Komponenten auf Wartungsbedarf deutet.

Einbezug von EBS-Informationen

Im Fokus der Untersuchungen stehen dabei als kritische Elemente vor allem die Bremsen. So meldet das iC Plus nun zugleich dem Fahrer, dem Fuhrparkleiter wie dem Disponenten, zu welchem Zeitpunkt ein Werkstatttermin ansteht. Als Ursachen kommen Ereignisse wie ein defekter Luftschlauch, ein hängender Bremssattel oder auch eine nachlassende Feder am Zylinder in Betracht. Laut Anbieter kann das KI-System solche Zustände als typische Wartungs- und Reparaturaufgaben richtig einordnen und entsprechend warnen, bevor teure Unfälle oder Pannen drohen.

Besonderheit: Zu solcherart Analyse der Komponenten nutzen die Systeme oft Sensoren. Doch in diesem Fall sind weitere Erfassungskomponenten gar nicht erforderlich: es genügt der Zugriff auf die im EBS (Elektronisches Bremssystem) vorliegenden Werte. Zusammen mit den Daten der Bremsbelagverschleiß-Sensoren verwendet die KI dann diese Informationen, um den Wartungs- und Reparaturbedarf „differenziert im Kontext“ zu untersuchen. Dabei werden durch irrelevante Ereignisse wie Schlaglöcher ausgelöste Reaktionsmuster ausgefiltert.

Bewährte Methode

Wie BPW meldet, wird die „Bremsperformancemessung“ in Großbritannien bereits erfolgreich eingesetzt. Dort sind „engmaschige Bremsenchecks“ für Trailer gesetzlich vorgeschrieben. Durch die KI seien die Fuhrparkbetreiber dort schon seit Jahren in der Lage, teure Stillstandszeiten auf dem Bremsenprüfstand zu vermeiden. Damit ist die Umsetzung in weiteren Ländern gerechtfertigt: „Mit der iC Plus-Fahrwerksgeneration adaptiert BPW seine Innovation auch für den Rest Europas“, heißt es im Bericht.

Nach der Erfassung kommt die Begleitung

Im Zentrum des Interesses für den Fahrzeugbetrieb steht neben dem Bremsverhalten auch die Messung des Bremsbelagverschleißes. Anhand der von einem Sensor übermittelten Signale kann hier der Fuhrparkleiter erkennen, nach wie vielen Kilometern etwa das Fahrzeug zum Bremsbelagwechsel in die Werkstatt muss. Und auch hier machen die digitalen Services von BPW noch nicht Halt: im weiteren Verfahren übernimmt das von BPW mit den Softwarespezialisten von Idem Telematics erarbeitete digitale Wartungsmanagement das Ruder, das gesetzliche Prüfvorschriften, Wartungsvorschriften für BPW Achsen sowie die Status- und Störmeldungen der Fahrzeuge bündelt. Außerdem werden hierüber auch sämtliche Wartungsarbeiten bis ins Detail festgehalten, womit eine entmaterialisierte digitale Wartungsakte zur Verfügung steht – „ganz ohne Papier, Locher und Aktenordner“.

Wirtschaftlichkeit steigern mit gläsernem Fuhrpark

Die Vorteile des „mulitfunktionalen“ Fahrwerks bringt Caren Freudenberg, Produktmanagerin bei BPW, auf den Punkt:

„BPW hat gemeinsam mit Idem Telematics eine neue Fahrwerksgeneration geschaffen, die sowohl den Fahrzeugbetrieb als auch den gesamten Transportprozess wirtschaftlicher macht.“

Die Analyse der Daten während des Fahrzeugbetriebs erfordert den Angaben zufolge nur eine Wartung bei tatsächlich über diese Prüfmethode erkanntem Bedarf. Unter Umständen teure Werkstattaufenthalte für den Flottenbetreiber würden somit vermieden, die Fahrzeugverfügbarkeit steige.

Unterstützend zu dieser Funktion sind die Fuhrparkmanager zu jeder Zeit über das Telematikportal Cargofleet 3 von Idem Telematics, auf dem alle erfassten Daten zusammenlaufen, über den Zustand der Flotte wie Auslastung, Betrieb, Fahrer- und Fahrzeugperformance informiert, was ihnen die Entscheidung für erforderliche Maßnahmen erleichtern kann.

„Das zeigt Potenziale auf und steigert die Effizienz beim Flottenmanagement“, betont Freudenberg. Ein weiterer Vorteil bestünde darin, dass die Plattform durch ihre systemoffene Konzeption auch einen „kontrollierten, sicheren“ Datenaustausch mit externen Anwendungen erlaube, beispielsweise mit Transportmanagement- oder ERP-Systemen. Freudenberg: „Smarter und effizienter kann man heute nicht transportieren.“

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