BEM: Unternehmer und E-Auto-Pionier Jörg Heynkes bewertet Autogipfel

Der Unternehmer und eAuto-Pionier Jörg Heynkes hat in einem aktuellen Gastbeitrag für den Berliner Tagesspiegel die anhaltende Diskussion über staatliche Hilfen für die deutsche Automobilindustrie bewertet und fordert hier klare Zukunftsperspektiven statt falscher Industrie-Romatik.

Jörg Heynkes fordert klare Vorgaben und die richtigen Anreize für eine zukunftsfähige Mobilitätswende zu setzen. | Foto: BEM
Jörg Heynkes fordert klare Vorgaben und die richtigen Anreize für eine zukunftsfähige Mobilitätswende zu setzen. | Foto: BEM
Christine Harttmann
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Die Corona-Krise setzt natürlich auch der Automobilindustrie stark zu, die mittlerweile ebenfalls nach staatlichen Hilfen angefragt hat. Es folgte ein „Autogipfel“, der allerdings ohne Ergebnis zu Ende ging. Mittlerweile laufen die meisten Werke wieder an und Jörg Heynkes gab eine Bewertung des Ist-Standes ab. Der Bundesverband eMobilität e.V. (BEM) veröffentlicht Passagen von Heynkes, der als wissenschaftlicher Beirat für den BEM tätig ist. Dabei geht er mit der Autoindustrie hart ins Gericht, zeigt aber auch Lösungen und Notwendigkeiten auf, die eine Weiterentwicklung der Branche in eine sichere Zukunft erleichtern sollen. Er erklärt eingangs:

„Beim Gipfel im Kanzleramt ließen die Autobosse wieder einmal die Motoren röhren: Konjunkturbelebende Maßnahmen müssen her. Kaufprämien“sollen wegen des Umsatzeinbruchs zum Autokauf animieren. Fakt ist: Die Lobby von 800.000 direkten und bis zu einer Million indirekten Arbeitsplätzen konnte sich bislang immer so routiniert durchsetzen, dass sie Angela Merkel sogar noch in der Diesel-Affäre den wenig schmeichelhaften Titel „Autokanzlerin“ einbrachte...“

Anschließend fordert er, dass es „höchste Zeit“ sei, „sich aus der Geiselhaft der Autolobby zu befreien, denn es ist ökonomisch wie ökologisch klug, der Branche klare Bedingungen zu stellen und sie dann hierbei zu unterstützen.“ Diese Härte helfe laut Heynkes sogar den mittelbar Beschäftigten, egal ob man nun mit 800.000 oder zehn Millionen Beschäftigten rechnet:

„Ein bisschen ist es beim Auto wie bei der Kohle: Falsche Industrie-Romantik mit Rücksicht auf deutsche Wirtschaftsgeschichte macht noch keine Zukunft...“

Dabei erteilt er auch den gern werbewirksamen Auftritten Elon Musks eine Absage:

„Man muss nicht ritualisiert Elon Musk bemühen, um wissen zu können, dass sich unser wichtigster Industriezweig in seiner Größe mindestens halbieren wird, weil das Auto der Zukunft ein Smartphone auf Rädern mit Elektroantrieb sein wird - und kein Verbrenner mehr, der in öligen Autowerkstätten bestenfalls ein Service-Update bekommt.“

Klar sei, dass man Autos immer brauchen werde. Doch diese müssten sauber, leise, langlebiger und effizient im Verbrauch sein. Was beileibe auch nicht für jedes elektrifizierte Modell gilt. Wichtig auch zu beachten: Neukäufe werden zu etwa zwei Dritteln von Unternehmen und Selbständigen getätigt. Davon werden die allermeisten Fahrzeuge zwischen drei und fünf Jahren geleast. Deshalb schlussfolgert Heynkes, dass Spontankäufe wegen einer Kaufprämie „völlig unlogisch“ seien. Stattdessen fordert er:

„Eine sinnvolle Beförderung des notwendigen Wandels, wäre die Reduzierung der Besteuerung von Dienstfahrzeugen für reine e-Autos auf null Prozent. Dies würde einen echten Schub bringen. Doch Elektromobilität macht wiederum nur Sinn, wenn auch der Strom grün und günstig ist. Deshalb sollte der Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv vorangetrieben werden und die Stromsteuer halbiert werden, damit das e-Auto nicht teuren Kohlestrom tanken muss.“

Womit er bei der Infrastruktur angekommen ist, denn mindestens ebenso wichtig ist seiner Meinung nach der dringend notwendige Ausbau der Ladeinfrastruktur mit superschnellem Laden an den Autobahnen mit 250-350 kW, schnellem Laden in den Städten an den Hotspots des Einkaufens mit 50-150 kW, dreiphasigem Laden mit 11-22 kw überall in den Städten - und einphasigem Laden von 2-3,5 kW in allen Tiefgaragen, an Wohngebäuden und in Wohngebieten. Vor allem aber auch auf den Parkplätzen der Unternehmen, damit die Mitarbeiter während der Arbeitszeit laden können. Hier sollten die Unternehmen seiner Meinung nach „in die Pflicht genommen und unterstützt werden.“

Klar sei auch: Die Automobilindustrie befindet sich nach Heynkes Meinung auf globaler Ebene in einem nie dagewesenen Transformationsprozess hin zu Vernetzung, autonomem Fahren und Elektromobilität:

„In den kommenden zehn bis 15 Jahren werden wir in das Zeitalter der „Schwarmmobilität“ kommen, in dem der Individualbesitz von Fahrzeugen eingetauscht wird in die Dienstleistung und Service-Frage an den Schwarmbetreiber: Wie und mit welchem Fahrzeug komme ich am komfortabelsten von A nach B? Auf Knopfdruck, sicher, preiswert und von jedermann nutzbar.“

Deshalb fordert er klare An- und Aussagen für das nächste Treffen der Autoindustrie und der Bundesregierung Anfang Juni, wo nochmals über „konjunkturbelebende Maßnahmen“ beraten werden soll. Heynkes fordert:

„Was wir dann brauchen ist eine echte „Wiederbelebung“ der deutschen Autoindustrie. Mit klaren Bedingungen und Investitionen in die Zukunft. Das Kanzleramt nennt so etwas verschwurbelt „Modernisierungsbeitrag in Richtung innovativer Fahrzeugtechnologien“. Das ist der richtige Weg aus der Geiselhaft, denn sonst ist der Patient Autoindustrie schneller tot als der neue Leasingvertrag läuft.“

Den gesamten Gastbeitrag können Sie im Internet nachlesen unter:

https://background.tagesspiegel.de/mobilitaet-transport/die-politik-muss-sich-aus-der-geiselhaft-der-autolobby-befreien

Was bedeutet das?

In der aktuellen Situation fordert Unternehmer und eAuto-Pionier Jörg Heynkes eine sinnvolle und wohldosierte Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche“: Die Branche braucht seiner Meinung nach klare Vorgaben, um die alternative Mobilität voranzutreiben, die dann auch unterstützt werden soll. Einer Förderung aller Fahrzeuge nach dem Gieskannenprinzip erteilt er jedoch eine klare Absage.

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