Alpenquerender Verkehr: Bayern rechnet mit weiteren Einschränkungen

Wegen großen Sanierungsbedarfs sind die Aussichten für Straße und Schiene schlecht. Bayerns Verkehrsminister Bernreiter warnt vor Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft. Bund und Österreich müssen bayerische Anliegen ernst nehmen.

Schon jetzt stauen sich die Lkw regelmäßig kilometerlang am Grenzübergang Kufstein. Weitere Einschränkungen auf Straße und Schiene würden die Situation weiter verschärfen. (Foto: C. Harttmann)
Schon jetzt stauen sich die Lkw regelmäßig kilometerlang am Grenzübergang Kufstein. Weitere Einschränkungen auf Straße und Schiene würden die Situation weiter verschärfen. (Foto: C. Harttmann)
Christine Harttmann

Der freie Verkehr über die Alpen läuft nicht störungsfrei – und in naher Zukunft drohen zusätzliche Probleme. Darauf hat Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter im Ministerrat hingewiesen und sein Engagement betont:

„Seit Jahren leiden Menschen und Wirtschaft in Bayern an den Strecken über die Alpen unter den Fahrverboten in der Nacht oder am Wochenende und unter der Blockabfertigung. Zusätzlich ist klar absehbar, dass bald weitere Probleme bei der Infrastruktur von Straßen und Schienen auf uns zukommen.“

Sanierung und Neubau steht an

Bernreiter verwies darauf, dass auf der Brennerautobahn, der Tauernautobahn und Autobahn A8 in Deutschland einige Bauwerke saniert oder neu gebaut werden müssen. Er stehe deswegen in ständigem Austausch mit allen Beteiligten und treibe mit Tirol und Südtirol das digitale Slotsystem als Alternative zur Blockabfertigung voran.

„Es sind schon viele Vorhaben angestoßen. Wir müssen daraus jetzt schnell zu greifbaren Ergebnissen kommen, denn die Situation wird sich deutlich zuspitzen. Die Bundesregierung und die Republik Österreich müssen die bayerischen Belange endlich ernst nehmen!“

Neubau der Luegbrücke

Die Liste der sanierungsbedürftigen Bauwerke auf den Autobahnen ist lang. So muss auf der Brennerautobahn in Tirol die Luegbrücke neu gebaut werden. Die bestehende Brücke wird voraussichtlich ab 2025 nur noch eingeschränkt befahrbar sein. Ein Konzept dafür will die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag im Sommer vorlegen.

Auf der Tauernautobahn werden bereits seit Herbst 2023 und mit einer Sommerpause bis Mitte 2025 fünf Tunnel saniert. Auf bayerischer Seite werden auf der A8 in den kommenden Jahren mehrere Brücken saniert, was ebenfalls zu Behinderungen führen wird.

Einschränkungen frühzeitig und verlässlich mitteilen

„Ich erwarte, dass der Verkehr überall so organisiert wird, dass er weiter fließen kann“, sagte Bernreiter. „Die österreichische Seite muss uns Zeit und Umfang von Einschränkungen frühzeitig und verlässlich mitteilen, damit sich alle Verkehrsteilnehmer darauf einstellen können. Auf deutscher Seite muss die zuständige Autobahn GmbH des Bundes den Verkehr möglichst weiträumig steuern und besonders auf der Autobahn A93 die für die Verkehrsinformation notwendigen Telematikanlagen in 2025 zubauen.“

Verschärfend wirken sich die einseitigen Verkehrsbeschränkungen in Österreich wie Nacht- und Wochenendfahrverbote sowie Blockabfertigung in Tirol und die im vergangenen Winter umgesetzten Fahrverbote in Salzburg aus. Zudem droht mit der von Tirol geplanten Einführung einer Maut auf der Fernpassroute und der Prüfung einer Dosierampel bei Seefeld ein Verkehrskollaps in Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald.

Laufend im Gespräch

„Ich bin laufend in Gesprächen mit Politikern in Tirol und Salzburg und weise darauf hin, dass Verkehrsprobleme nicht einfach auf Bayern abgewälzt werden können“, so Minister Bernreiter. „Gemeinsam mit Tirol und Südtirol haben wir ein detailliertes Konzept für ein digitales Slotsystem erarbeitet. Damit könnten wir den Lkw-Verkehr weiträumig koordinieren, zeitlich entzerren und Rückstau an der Grenze vermeiden. Jetzt sind die Nationalstaaten am Zug, sie müssen das umsetzen! Am besten wäre eine Kopplung mit einer Aufweichung des Tiroler Nachtfahrverbots. Zwar hat auch die Klage Italiens gegen Österreich Erfolgschancen, aber eine Entscheidung wird lang dauern. Unser Slotsystem könnte dagegen schnell Abhilfe schaffen.“

Auch die Schiene braucht viele Updates

Auch auf der Schiene zeichnen sich weitere Probleme ab. Über den genauen Planungsumfang des Brenner-Nordzulaufs wird der Bundestag voraussichtlich im nächsten Jahr entscheiden, der Bund rechnet mit einer Fertigstellung im Jahr 2040. Der Freistaat Bayern legt großen Wert darauf, dass dabei die Interessen der Anwohner berücksichtigt werden. Auch die Deutsche Bahn plant den Ausbau sogenannter Hochleistungskorridore: Ab 2026 werden die Strecken Nürnberg - Regensburg und Obertraubling - Passau saniert, ab 2027 folgen München - Rosenheim und Rosenheim - Salzburg. Dies wird umfangreiche Umleitungs- und Ersatzverkehre auslösen.

Große Herausforderungen warten

Die Bahn müsse deshalb frühzeitig ein tragfähiges Konzept für Schienenersatz- und Umleitungsverkehre erarbeiten, forderte Bernreiter:

„Egal ob auf der Schiene oder der Straße: In den nächsten Jahren steht der Verkehr über die Alpen vor weiteren, großen Herausforderungen. Ich werde mich weiter mit Nachdruck für die bayerischen Interessen stark machen!“

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