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Abgasskandal: Verkehrsministerium wirft Fiat Manipulation vor

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) hat offenbar auch dem italienischen Autobauer Fiat nachgewiesen, unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselmotoren zu verwenden. Unter den zusätzlich geprüften Fahrzeugen mit auffälligem Abgasverhalten ist auch ein "Fiat Doblo". Der Hersteller kommentiert die Vorwürfe nicht, der italienische Minister dementiert.
Unter Verdacht: Das Verkehrsministerium will Fiat die Verwendung einer Abschalteinrichtung nachgewiesen haben, unter anderem bei dem Kompaktvan Doblo. (Foto: Fiat Professional)
Unter Verdacht: Das Verkehrsministerium will Fiat die Verwendung einer Abschalteinrichtung nachgewiesen haben, unter anderem bei dem Kompaktvan Doblo. (Foto: Fiat Professional)
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Christine Harttmann

Nach Berichten der Wirtschaftswoche sowie der Süddeutschen Zeitung ist in einem Schreiben des BMVI an die EU-Kommission unter dem Betreff „Unregelmäßigkeiten in der Abgasnachbehandlung an Fahrzeugen des Herstellers Fiat-Chrysler-Automobiles (FCA)“ zu lesen, dass der „Nachweis des Einsatzes einer unzulässigen Abschalteinrichtung erbracht“ sei. Der Brief sei von Ende August datiert und liegt der Wirtschaftswoche sowie der Süddeutschen Zeitung vor. Neben dem Volkswagen-Konzern sieht sich damit zum ersten Mal noch ein anderer Autobauer seitens einer staatlichen Stelle dem Vorwurf ausgesetzt, die Abgaswerte systematisch zu manipulieren. Die Untersuchungen führte das Kraftfahrtbundesamt durch.

Nun wirft das Ministerium dem Hersteller anhand weiterer getesteter Fahrzeuge vor, sowohl eine „Abschaltung der Abgasrückführung“ als auch einen speziellen Stickoxid-Katalysator, der nach wenigen Reinigungszyklen abgestellt wird, in die Fahrzeuge eingebaut zu haben. „Die Ansicht der italienischen Typgenehmigungsbehörde, die Abschalteinrichtung werde aus Gründen des Motorschutzes verwendet, kann Deutschland nicht teilen“, zitiert die Wirtschaftwoche aus dem Brief. Bereits im Mai gab es erste Verdachtsmomente, die auf eine unzulässige Abschaltvorrichtung in einem „Fiat 500X“ hinwiesen. Auch in seinem ersten Untersuchungsbericht hatte das vom Ministerium beauftragte KBA bei einem Fiat Panda sowie einem Fiat Ducato stark erhöhte Emissionswerte festgestellt. Der Fiat Ducato Euro 5 mit 3,0-Liter-Diesel-Motor erfüllte nur kalt den NEFZ-Laborwert, im warmen Zustand wies er bereits vierfach erhöhte NOx-Werte auf, im Straßenbetrieb nach NEFZ-Zyklus ergaben die Messungen mehr als vierfach und beim RDE-Zyklus sogar 9-fach erhöhte Stickoxidwerte.

Das KBA hatte daraufhin „eigene Untersuchungen an weiteren vier FCA-Fahrzeugen durchgeführt“, heißt es in dem Papier, aus dem die Wirtschaftswoche zitiert und das auch an das italienische Verkehrsministerium verschickt wurde. „Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen deutlich, dass bei allen überprüften Fahrzeugen ein qualitativ ähnliches Verhalten im Anstieg von NOx-Emissionen (…) vorliegt.“ Die Stickoxid-Werte stiegen sogar stark auf das 9 bis 15-fache des Grenzwerts an. Unter den nachuntersuchten Fahrzeugen befand sich auch ein „Fiat Doblo“ aus der Nutzfahrzeugsparte des Konzerns.

Das Bundesverkehrsministerium forderte nun den Hersteller auf, "die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, dass die hergestellten Fahrzeuge wieder mit dem genehmigten Typ in Übereinstimmung gebracht werden", wie es laut SZ in dem Schreiben heißt. Allerdings haben die Modelle in Italien ihre Zulassungsprüfung absolviert und das italienische Verkehrsministerium spielte den Ball bereits zurück: Man hält eine Manipulation für ausgeschlossen und habe keine derartigen Einrichtungen zur Abgasregulierung gefunden, lautete gemäß SZ die Antwort des Amtskollegen. Fiat selbst hüllt sich weiter in Schweigen und kommentiert wie bisher keinerlei Vorwürfe der Manipulation. (ha/jr)

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