Blick auf ein Rekordjahr

Mit 7,89 Millionen Tonnen Fracht hat der Kieler Hafen das bisher umschlagsstärkste Jahr in der Hafengeschichte verzeichnet. Für 2024 ist man zumindest „verhalten optimistisch“.

Zufrieden mit dem vergangenen Jahr: (v.l.) Jörn Grage, Geschäftsführer SCA Logistics GmbH, Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer Seehafen Kiel, Mikko Juelich, Trade Director Germany - Managing Director Stena Line GmbH & Co. KG, und Dirk Hundertmark, Geschäftsführer Color Line GmbH. Bild: Claudia Behrend
Zufrieden mit dem vergangenen Jahr: (v.l.) Jörn Grage, Geschäftsführer SCA Logistics GmbH, Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer Seehafen Kiel, Mikko Juelich, Trade Director Germany - Managing Director Stena Line GmbH & Co. KG, und Dirk Hundertmark, Geschäftsführer Color Line GmbH. Bild: Claudia Behrend
Redaktion (allg.)
PORT OF KIEL

„Wir sind zufrieden mit dem Jahr 2023“, so leitete Dirk Claus, Geschäftsführer Seehafen Kiel, die Jahrespressekonferenz ein. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen sei es gelungen, 7,89 Millionen Tonnen Fracht umzuschlagen, ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Das ist ein Rekordergebnis für unseren Hafen“, so Claus. Es fehlten jetzt nur noch 102.000 Tonnen bis zur „magischen Grenze von 8 Millionen Tonnen“.

Am Ostuferhafen, der mit 3,46 Millionen umgeschlagenen Tonnen im Jahr 2023 für knapp 45 Prozent des Gesamtumschlags verantwortlich war, wurden im Vergleich zum Vorjahr 3 Prozent mehr umgeschlagen. Im Wesentlichen hat dazu der Klaipeda-Dienst beigetragen, wo mit der dänischen Reederei DFDS ein Plus von 2 Prozent erreicht wurde.

Entwicklungen

„Das freut uns sehr, weil wir natürlich durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hier in den letzten zwei Jahren Mengen im zweistelligen Bereich verloren haben“, sagte Claus. „Durch das Embargo gegenüber Russland haben wir hier über 20 Prozent der Ladung verloren, vor allem im Kombinierten Ladungsverkehr.“ Zudem sei Litauen als kleines Land nicht so bahnaffin wie Russland und Weißrussland.

Ebenfalls erfreulich sei die Entwicklung beim schwedischen Unternehmen SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget), das in Kiel zusammen mit Iggesund Paperboard Papier im Bereich Packaging umschlägt. „Auch hier wieder ein Plus von 1,7 Prozent. Wir schlagen insgesamt 685.000 Tonnen Papier um, im Wesentlichen nur noch Packaging, im Printbereich eigentlich gar nicht mehr.“

Am Schwedenkai gab es in Tonnen indes ein Minus von 4,54 Prozent. „Auch damit sind wir zufrieden“, unterstrich Claus, „wir haben ein Minus auf einem extrem hohen Niveau, wir hatten in den letzten Jahren Steigerungsraten von über 10 Prozent auf diesem Dienst“. Colorline verzeichnete hingegen ein leichtes Plus von 3,3 Prozent.

„An der Nordmole schlagen wir Split um, also Baustoffe für den hiesigen Markt“, erläuterte der Geschäftsführer weiter. Auch hier konnte mit 1 Million Tonnen ein Umschlagsplus von über 20 Prozent erzielt werden. „Das hat auch damit zu tun, dass der Nord-Ostseekanal ausgebaut wird, aber nicht nur. Der Split wird auch immer wichtiger für die hiesige Bauwirtschaft“, so Claus weiter. Er gehe davon aus, dass sich das auf diesem Niveau werde stabilisieren können.

Beim Kombinierten Verkehr verzeichnet der Kieler Hafen mit 25 Prozent weniger Einheiten ein deutliches Minus. Während 2022 noch 28.930 Einheiten umgeschlagen wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 21.672 Einheiten. Der Grund: „Es sind die Qualität im Wesentlichen der Deutschen Bahn und ihre Preispolitik“, sagte Claus. So habe es massive Preissteigerungen gegeben. Zudem seien 80 Prozent der von den Kunden georderten Züge entweder nicht produziert worden oder verspäteten sich deutlich – die Ladung suche sich dann neue Wege. „Wir sind damit nicht glücklich, haben aber neue Projekte, die wir im Februar noch starten wollen.“ Dabei handelt es sich um einen offenen Direktzug zwischen Göteborg (Schweden) und Verona (Italien), der für jeden Spediteur buchbar ist und ab Anfang Februar drei Mal wöchentlich verkehren soll.

In die Erweiterung und Effizienzsteigerung seiner Unternehmensflächen im Ostuferhafen, wo das 50 Hektar große Fracht- und Logistikzentrum der flächengrößte und mengenstärkste Hafenteil ist, hat Port of Kiel in den vergangen Jahren 90 Millionen Euro investiert. So wurden zwei Landstromanlagen mit parallelen Versorgungsmöglichkeiten für bis zu drei Seeschiffe und neue Ro-ro-Rampen gebaut sowie bestehende Flächen ertüchtigt.

Investitionen

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Bis 2028, wo der Kieler Hafen bis zur Kaikante klimaneutral sein will, sollen über 60 Millionen Euro in den Hafenteil mit seinem Multipurpose-Terminal fließen, das über 74.000 Quadratmeter Lagerhallen, sechs RoRo-Anleger und einen Kreuzfahrtliegeplatz verfügt und sowohl für den Frachtumschlag als auch das Passagiergeschäft genutzt wird.

Das alte Kohlekraftwerk GKK wurde bereits Ende vergangenen Jahres gesprengt, und es ist alles abgerissen. „Ich rechne damit, dass wir in den nächsten Monaten die Hälfte der Fläche, also 6,5 Hektar übernehmen werden und dort die Möglichkeit haben, zu wachsen“, sagte Claus. Die Flächen sollen schrittweise erschlossen werden, um dort weitere Lager- und Logistikflächen zu schaffen. „Wir haben dort mit drei großen Schiffen von DFDS eine gute Auslastung. Die Nachfrage unserer Kunden nach Lagerflächen ist da.“

Als Stadthafen mit begrenztem Erweiterungspotenzial sei man auf ein effizientes und smartes Flächenmanagement angewiesen. „Diese Projekte am Ostuferhafen sind eine stringente Fortführung der Weiterentwicklung dieses Hafenteils und eine wichtige Investition in den Standort“, so Claus.

In Bezug auf die Umschlagsentwicklung 2024 ist der Geschäftsführer „verhalten optimistisch“. Claus: „Ich denke, dass wir ganz gut durch’s Jahr kommen. Wir haben aber auch stark steigende Kosten, sowohl bei der Energie als auch im Personalbereich.“cbe

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