Strom durch´s Oberstübchen

Die ersten beiden Oberleitungs-Lkw auf dem eWayBW fahren bereits im Regelbetrieb. Drei weitere werden demnächst folgen.

Vier von 18 Kilometern sind im Murgtal elektrifiziert. Bild: Verkehrsministerium BW
Vier von 18 Kilometern sind im Murgtal elektrifiziert. Bild: Verkehrsministerium BW
Murgtal

Seit dem 21. September sind auf der Teststrecke im Murgtal die ersten zwei elektrischen Oberleitungs-Lkw im Regelbetrieb unterwegs. Bereits am 28. Juni hatte Landesverkehrsminister Winfried Hermann gemeinsam mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium (BMU), Rita Schwarzelühr-Sutter, die eWayBW-Pilotstrecke in Betrieb genommen und damit die Errichtungsphase der Oberleitungsanlage abgeschlossen. Nach erfolgreichem Abschluss der vorbereitenden Arbeiten für den Realbetrieb, zu denen unter anderem die Durchführung von Test- und Einstellfahrten sowie die Schulungen von Feuerwehren, Rettungsdiensten, Betriebspersonal und Fahrern gehörten, können die Oberleitungs-Lkw nun von den Speditionen eingesetzt werden.

„Nun können endlich die Transporte, die bisher noch von Diesel-Lkw durchgeführt wurden, durch die leiseren und schadstoffärmeren Oberleitungs-Hybrid-Lkw übernommen werden“, freut sich Minister Hermann über den Beginn der Realfahrten. Auf der Pilotstrecke werden von zwei Speditionen jährlich etwa 500.000 Tonnen Papier im 24 Stunden/7 Tage-Betrieb von drei Papierherstellern in Gernsbach-Obertsrot in ein Logistikzentrum nach Kuppenheim gebracht.

Zum Start des Regelbetriebs stehen zwei Oberleitungs-Lkw von Scania zur Verfügung. Drei weitere Fahrzeuge sollen bis Mitte Oktober folgen. Eine Besonderheit bei eWayBW sei es, dass die Fahrzeuge nicht direkt von den beteiligten Speditionen angemietet werden. Vielmehr wurde eine Poollösung geschaffen, bei der die Fahrzeuge zunächst von einem Unternehmen angemietet werden und dann innerhalb des Fahrzeugpools den Speditionen flexibel zur Verfügung stehen.

„Wir erreichen so eine maximale Auslastung der Versuchsfahrzeuge und unterstreichen damit einmal mehr unser Ziel, die Oberleitungstechnologie für den Straßengüterverkehr im Rahmen des Feldversuchs ergebnisoffen auf Herz und Nieren zu testen“, sagte der Verkehrsminister.

Realitätsnaher Betrieb

Während des Realbetriebs übernimmt die Netze BW die Betriebsführung der Anlage. Die elektrotechnische Überwachung erfolgt über ihren Netzleitstand Nord in Heilbronn, die Instandhaltung und Wartung der Anlage vor Ort durch den Betriebsservice der Netze BW in Ötigheim, der sich in unmittelbarer Nähe zur eWayBW-Anlage befindet.

Ziel des Pilotprojekts ist ein realitätsnaher elektrischer Betrieb von Oberleitungs-Hybrid-Lkw, um bisherige Erkenntnisse zu erweitern. Eine wissenschaftliche Begleitforschung soll vor allem Aspekte der Energieversorgung sowie Auswirkungen auf Lärm, Luftschadstoffe und straßenplanerische Maßnahmen untersuchen. Die B 462 im Murgtal wurde für das Pilotprojekt gewählt, weil auf der Strecke im Dauerbetrieb Lkw zwischen Obertsrot (Kreis Rastatt) und Kuppenheim fahren. Dabei ergibt sich pro Kalendertag die hohe Anzahl von bis zu 64 Umläufen. In Summe legen die OH-Lkw damit pro Jahr über 100.000 Kilometer im Bereich der Oberleitungen zurück. Diese Randbedingungen lassen belastbare Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt erwarten.

Während des dreijährigen Realbetriebs werden jedoch nicht nur OH-Lkw eingesetzt. Im Rahmen eines ergebnisoffenen Technologievergleichs kommen noch weitere alternative Antriebstechnologien zum Einsatz. nbr

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Artikel Strom durch´s Oberstübchen
Seite 8 | Rubrik UMWELT UND VERKEHR