Die Betrachtung der Möglichkeiten

Wie eine europäische Ladeinfrastruktur aussehen könnte, zeigt eine Analyse der Forscher. Prädestiniert wären autobahnnahe Rastplätze, Firmen und andere wichtige logistische Standorte – mit Fokus auf stark besiedelte Gebiete Mitteleuropas.

Batterieelektrische Lkw brauchen ein großes Ladeinfrastrukturnetz in ganz Europa, damit sie trotz begrenzter Reichweiten auch längere Strecken zurücklegen können. Bild: unsplush
Batterieelektrische Lkw brauchen ein großes Ladeinfrastrukturnetz in ganz Europa, damit sie trotz begrenzter Reichweiten auch längere Strecken zurücklegen können. Bild: unsplush
Christine Harttmann
Fraunhofer-Studie

Batterieelektrische Lkw können einen großen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehr leisten – da sie jedoch meist lange Strecken zurücklegen, braucht es ein großes Ladeinfrastrukturnetz in ganz Europa. Nur so kann den begrenzten Reichweiten begegnet werden. In diesem Kontext analysiert eine neue Studie des Fraunhofer ISI, die im Auftrag des europäischen Automobilherstellerverbandes ACEA erstellt wurde, mögliche Ladepunkte für batterieelektrische Lkw in Europa.

Die begrenzte Reichweite batterieelektrischer Lkw erfordere Schnellladungen mit hoher Leistung – bei kurzen Pausen im Fern- oder Regionalverkehr – und mit mittlerer Leistung bei längeren Stopps, so die These der Forschenden. Daher gelte es, Lade-infrastruktur für E-Lkw in ganz Europa koordiniert aufzubauen. Die Standorte der zukünftigen Ladepunkte sollten im Idealfall, so die Erkenntnis des Fraunhofer-Instituts, so gewählt sein, dass sie zum aktuell vorhandenen Logistiknetz passen und einen optimalen Anschluss an aktuelle Standorte für längere Stopps vieler Fahrzeuge gewährleisten.

Ladeorte gesucht

Um die möglichen Plätze für künftige Ladelösungen zu identifizieren, analysierte eine neue Studie des Fraunhofer ISI 30.000 aggregierte Lkw-Haltestandorte. Die Standort-Daten basieren auf detaillierten Informationen über die Logistikaktivitäten von rund 400.000 Lkw und 750.000 einzelnen Halteorten. Sie wurden von sieben OEMs in Europa gesammelt. Der Datensatz könne bei der Planung einer zukünftigen Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lkw helfen, erklärt das Fraunhofer-Institut. Er liefere detaillierte Informationen für Langstrecken-Halteorte in 35 Ländern und regionale Halteorte in 23 Ländern.

Die Studie zeigt, dass sich die Lkw-Halteorte um stark besiedelte Gebiete in Mitteleuropa konzentrieren. Dies gilt im Besonderen für wichtige Industriegebiete und Großstädte – zum Beispiel für Norditalien, Paris, den Großraum Manchester, Berlin oder Frankfurt. Zudem sind sie entlang europäischer Hauptverkehrsachsen angesiedelt. Die Halteorte der Lkw im Regionalverkehr liegen meist sehr nah an denen des Lkw-Fernverkehrs. Eine Zusammenfassung der regionalen Lkw-Standorte zu Clustern offenbarte, dass 90 Prozent dieser regionalen Cluster-Standorte weniger als 600 Meter von Fernverkehrs-Lkw-Cluster-Standorten entfernt sind. Dementsprechend eignen sich die Standorte für regionale Ladepunkte auch für Fahrzeuge im Fernverkehr.

Die Studie liefert außerdem erste Hinweise bezüglich der Standortart: Bei etwa einem Drittel bis zur Hälfte handelt es sich um autobahnnahe Rastplätze, bei einem Viertel bis zu über einem Drittel um Firmenstandorte beziehungsweise wichtige logistische Standorte und bei ein bis fünf Prozent um Häfen und Fährterminals. Für einen nennenswerten Anteil – etwa die Hälfte der analysierten Standorte – bleibt die konkrete Standortart in dieser ersten Analyse allerdings unklar.

Im Netz des Fernverkehrs

Basierend auf diesen Ergebnissen schlussfolgert Dr. Patrick Plötz, der als Wissenschaftler die Studie am Fraunhofer ISI zur Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw koordinierte: „Laut unserer Analyse potenzieller öffentlicher Lade-standorte sollte eine künftige Ladeinfrastruktur für Lkw einige Hundert Standorte in großen Ländern wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich, einige Dutzend Standorte für die meisten anderen europäischen Länder und weniger als zehn Standorte für kleinere Länder wie Luxemburg, Irland, Lettland, Kroatien oder Estland umfassen.“

Plötz hebt dabei besonders hervor, dass die neuen Standorte sehr gut an die bestehende Infrastruktur des Lkw-Fernverkehrsnetzes angeschlossen werden können. Schließlich liege die durchschnittliche Entfernung von diesen potenziellen öffentlichen Ladestationen zu allen anderen Lkw-Halteorten typischerweise zwischen zwei und fünf Kilometern. ha

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Seite 8 | Rubrik UMWELT UND VERKEHR