Wenn schon, dann richtig

Hyundai will die Schweiz in Europa zur Speerspitze auf dem Weg zu einer Wasserstoff-Gesellschaft machen und startet zusammen mit Partnern 2020 mit 50 Fuel-Cell-Trucks, die an Logistiker im Leasing gehen werden.

Symbolischer Akt: In Ermangelung des FC-Trucks beim Startschuss schlossen die Verantwortlichen im Alpiq-Wasserkraftwerk in Niedergösgen einen Nexo an eine H2-Pistole an. Bild: J. Reichel
Symbolischer Akt: In Ermangelung des FC-Trucks beim Startschuss schlossen die Verantwortlichen im Alpiq-Wasserkraftwerk in Niedergösgen einen Nexo an eine H2-Pistole an. Bild: J. Reichel
Redaktion (allg.)
Brennstoffzelle

Hyundai hat am 25. September im schweizerischen Niedergösgen den Startschuss für ein ambitioniertes Fuel-Cell-Truck-Projekt in dem Alpenland gegeben. Schon auf der IAA Nutzfahrzeuge im vergangenen Jahr hatte der koreanische Automobilhersteller zusammen mit dem Energieversorger H2 Energy ein Memorandum of Understanding unterzeichnet und das Projekt angekündigt. Von 1.000 Brennstoffzellen-Trucks war zu diesem Zeitpunkt noch die Rede. Der Fahrzeugbauer nutzte seinen Messeauftritt und verkündete, dass er seine Marktführerschaft im Bereich der Brennstoffzellentechnik ausbauen wolle.

Das jetzt gesteckte Ziel bis zum Jahr 2025 lautet, dass im Leasingmodell 1.600 Fahrzeuge des Modells Xcient Fuel Cell zusammen mit Infrastruktur und Service für Logistiker und Transporteure zur Verfügung gestellt werden. Die Leasinggesellschaft ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Hyundai und H2 Energy. Noch Ende dieses Jahres soll sie den ersten Elektrolyseur in Betrieb nehmen, der mit einer Leistung von zwei Megawatt einen zu 100 Prozent grünen Wasserstoff produzieren wird. Das würde für die Testflotte genügen, die zu Anfang aus 4x2-Solo-Motorwagen besteht. Die Fahrzeuge sollen ab 2020 an den Start gehen, etwa bei Logistikern wie Galliker, Coop oder Migros.

Für die Bereitstellung des Kraftstoffs und der Infrastruktur wurde eigens das Tochterunternehmen Hydrospider gegründet, dem neben Linde und H2 Energy auch der Energieversorger Alpiq angehört. Vom Pioniermarkt Schweiz aus plant der Lkw-Hersteller, mit seiner Brennstoffzellentechnologie auf andere europäische Märkte zu expandieren. Speziell Partnernetzwerke in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Norwegen will Hyundai dafür nutzen.

Mehr als nur der Antrieb

„Wir tauschen hier nicht nur einen Antrieb aus, es ist ein kompletter Paradigmenwechsel“, erklärte Mark Freymüller, Chef des eigens gegründeten Gemeinschaftsunternehmens zwischen Hyundai und H2 Energy namens Hyundai Hydrogen Mobility (HHM).

Die Absicht sei, den Kunden einen einfachen Einstieg in die Wasserstoffmobilität zu ermöglichen. Das Unternehmen soll dabei nur eine feste monatliche Rate bezahlen. Fahrzeug, Kraftstoff, die Tankinfrastruktur und den Service will HHM organisieren. Man wolle damit das „Henne-Ei-Problem“ für den Kunden lösen. „Es geht hier nicht um ein weiteres schönes Demoprojekt, wir gehen mit diesen Trucks in die Praxis und den Transportalltag“, betont Freymüller.

Auch wenn die Anschaffungskosten zunächst deutlich über denen von konventionellen Antrieben liegen, sollen die Trucks nach einer gewissen Zeitspanne auch gegenüber einem Diesel-Lkw rentabel sein. Mit der Skalierung der Technologie soll sich diese Lücke zudem weiter schließen. Bis 2040 will der Hersteller weltweit bis zu 700.000 Fuel-Cell-Trucks im Markt haben. Die Tankstellenbetreiber sollen eine garantierte Auslastung von zehn Fahrzeugen pro Stunde erhalten.

Der Xcient Fuel Cell wurde entsprechend den europäischen Vorschriften entwickelt. Er arbeitet mit einem neuen 190-Kilowatt-Wasserstoff-Brennstoffzellen-System. Zwei 95-Kilowatt-Systeme sind dafür parallel miteinander verbunden. Mit dem 35-Kilogramm-Wasserstofftank soll eine Reichweite von 400 Kilometer möglich sein. Den Anfang machen gemeinsam mit den Schweizer Logistikern konfigurierte 4x2-Motorwagen, denen 6x2-Varianten und später auch eine Sattelzugmaschine folgen sollen. Hyundai setzt für Busse und das mittlere und schwere Lkw-Segment auf den Brennstoffzellenantrieb, während man für leichte Nutzfahrzeuge den batterieelektrischen Antrieb favorisiert.jr/ha

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Seite 3 | Rubrik POLITIK UND WIRTSCHAFT