„Mehr und bessere Daten“

Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Digitales und Verkehr, hat mit der Zeitung Transport über die Mobilithek und deren Bedeutung für die Transport- und Logistikbranche gesprochen.

Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatsekretärin beim Bundesminister für Digitales und Verkehr Bild: BMDV
Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatsekretärin beim Bundesminister für Digitales und Verkehr Bild: BMDV
Christine Harttmann
Interview

Transport: Mit der Mobilithek hat das Bundesverkehrsministerium einen nationalen Zugangspunkt für Mobilitätsdaten geschaffen. Welche Intention steckt, speziell mit Blick auf die Transport- und Logistikbranche, dahinter?

Daniela Kluckert: Unser Interesse ist es, dass mehr und bessere Daten zugänglich gemacht werden, damit daraus innovative Mobilitätsangebote und -services entwickelt werden, die unter anderem auch der Transport- und Logistikbranche zugutekommen. Die Mobilithek wird dabei die zentrale Anlaufstelle für Daten rund um die Mobilität. Sie löst die mCloud als Open-Data-Portal des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr und zugleich auch den Mobilitäts Daten Marktplatz (MDM) als nationalen Zugangspunkt zu Mobilitätsdaten ab.

Die Mobilithek ermöglicht sowohl den Zugang zu offenen Mobilitätsdaten als auch den B2B-Austausch von Datenangeboten. Es werden unter anderem Daten von Mobilitätsanbietern, Infrastrukturbetreibern und Verkehrsbehörden bereitgestellt. Diese Daten umfassen zum Beispiel Fahrplandaten oder Standorte von Leihfahrzeugen, aber auch viele Daten, die besonders für die Transport- und Logistikbranche sehr relevant sind, wie Informationen zu Lkw-Parkplätzen an Rastanlagen, Pegelstände und Verkehrsinformationen in Echtzeit. Informationsanbieter verwenden diese Daten, um daraus Services anzubieten wie beispielsweise Navigationsanbieter, die auf die Verkehrsinformationen in Echtzeit zugreifen.

Können Sie diese Kernfunktionalitäten der Mobilithek ein bisschen detaillierter beschreiben?

Die Mobilithek ist seit dem 1. Juli in Betrieb. Zum Start war es insbesondere wichtig, dass die Funktionen gegeben sind, die es datenbereitstellenden Organisationen erlauben, entsprechend der Mobilitätsdatenverordnung Datenangebote zu erfassen. Zum einen bietet die Mobilithek bereits die Funktionen eines Metadatenkatalogs. Das bedeutet, dass ich anhand von Beschreibungen (Metadaten) recherchieren kann, welche Daten es gibt und wo ich sie direkt herunterladen kann. Zum anderen gibt es bereits die Broker-Funktion, die es schon beim MDM gab. Das ist wichtig, damit ich auch Echtzeitdaten abonnieren kann, sodass diese Daten in regelmäßigen Updates zu mir gelangen.

Systemerweiterungen sind für Februar 2023 geplant. Ist da bereits etwas Konkretes angedacht?

Die geplante Systemerweiterung bis Februar 2023 umfasst unter anderem die Möglichkeit einer Geo-Suche, den Abruf von Metadaten via API und die Einführung eines neuen Protokolls zum Datentransfer, dem Messaging-Protokoll MQTT, das bereits aus dem IoT-Umfeld bekannt ist. Außerdem wird die Mobilithek die Möglichkeit bekommen, bestimmte Daten weiterzuverarbeiten.

Das ist beispielsweise notwendig für die Aufbereitung von Daten der Tankstellen für die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe – eine Aufgabe, die bisher auch der MDM erfüllt hat. Wir werden die Mobilithek aber auch danach noch kontinuierlich weiterentwickeln, indem wir beispielsweise die Mobilithek durch Konnektoren des International Data Space (IDS) erweitern, um so weitere Datenverarbeitungswerkzeuge (Data-Apps) anbinden zu können und die Verknüpfung mit dem Mobility Data Space zu ermöglichen.

Die Mobilithek lebt von der stetigen Eingabe neuer Daten. Von wem stammen denn diese Daten und wie stellen Sie dabei die Echtzeit sicher?

In der Mobilithek finden sich Daten von Mobilitätsanbietern, Infrastrukturbetreibern und Verkehrsbehörden, aber auch von Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Es werden sowohl offene Daten als auch Daten mit eingeschränkter Zugänglichkeit bereitgestellt.

Über den sogenannten Datenbroker ermöglichen wir, dass Echtzeitdaten von den Datennehmern abonniert werden können und automatisch in regelmäßigen Updates weitergeleitet werden. Die Mobilithek selbst hat zwischen Datenein- und -auslieferung äußerst geringe Latenzen im Millisekundenbereich. Wir stellen somit die technischen Voraussetzungen für die Echtzeitdatenübertragung sicher, die auch über SLAs mit unserem technischen Betreiber festgelegt wurden. Die Verantwortung für die Datenbereitstellung der Echtzeitdaten liegt allerdings beim Datengeber selbst.

Um selbst Daten einstellen zu können – muss ich da bestimmte Voraussetzungen erfüllen? Sind private Unternehmen überhaupt befugt, Daten in das System einzupflegen?

Die Mobilithek ist für alle offen, die Daten bereitstellen oder beziehen möchten. Auch private Unternehmen können ihre Metadaten über die Mobilithek zur Verfügung stellen. Dabei ist natürlich sicherzustellen, dass die Daten keine personenbezogenen Informationen oder andere schutzwürdige Informationen enthalten.

Wer die Daten in der Mobilithek nutzen will, braucht eine App. Wird sich das Ministerium an der Entwicklung solcher Apps beteiligen oder wird es sie unterstützen?

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Die Rohdaten sind für Bürgerinnen und Bürger erst anschaulich, wenn sie in Services wie zum Beispiel Mobilitäts-Apps integriert werden. Mit der Mobilithek bieten wir einen zentralen, einheitlichen und benutzerfreundlichen Zugang zu solchen Mobilitätsdaten an. Wir unterstützen damit, dass beispielsweise Informationsanbieter schnell und einheitlich auf die für sie relevanten Daten zugreifen können, um daraus bessere Mobilitätsangebote und -services zu entwickeln. Die Entwicklung von neuen Apps, Services und Produkten überlassen wir aber den Unternehmern.

Angenommen, ein Transport- und Logistikunternehmen will die Daten der Plattform für sich nutzen, beispielsweise für die Routenplanung. Wie müsste es dann vorgehen?

Zunächst muss über den Metadatenkatalog analysiert werden, welche Daten für das Unternehmen relevant sind. Abhängig davon, ob es sich um statische oder dynamische Daten handelt, können die Daten heruntergeladen oder abonniert werden. Bei einem Abonnement können dann die technischen Schnittstellen der Mobilithek genutzt werden, um auf die Daten zuzugreifen. Anschließend bekommt das Unternehmen die Echtzeitdaten automatisch geliefert und kann diese für Anwendungen oder Services verwenden.

Gibt es schon konkrete Apps, auf die ein Unternehmen zugreifen kann, beispielsweise für die Suche nach einem Lkw-Parkplatz?

Das BMDV stellt den zentralen Zugangspunkt für Mobilitätsdaten mit der Mobilithek bereit. Welche konkreten Produkte daraus entstehen, bekommen wir nicht in jedem Fall mit. Das wollen wir aber bald systematisch aufarbeiten.

Ein guter Einstieg in die Welt der konkreten Anwendungen ist unser Innovationsförderprogramm mFund, mit dem wir Forschungs- und Entwicklungsprojekte rund um digitale datenbasierte Anwendungen für die Mobilität der Zukunft fördern. Beispielsweise wird zum Thema Lkw-Parkplatz derzeit das Projekt „Solp“ gefördert, bei dem es um KI-gestützte Parkplatzsuche für Lkw und Fernbusse geht. In Abhängigkeit von Verkehrsaufkommen, Parkraumverfügbarkeit, Zeit- und Kostenökonomie sowie gesetzlichen Vorgaben ermittelt das Projekt eine Prognostik für die Anfahrt an potenziell nutzbaren Parkplätzen. Die Erkenntnisse und Ergebnisse aus dem Entwicklungsverlauf werden auf der Mobilithek veröffentlicht.

Das Interview führte Christine Harttmann

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Seite 3 | Rubrik POLITIK