Kein höheres Risiko

Laut einer repräsentativen Umfrage des DSLV befürchten Speditionen und Logistikunternehmen derzeit keine erhöhten Risiken wegen Zahlungsausfällen.

Rund ein Drittel der befragten Speditionsunternehmen haben ihr Forderungsmanagement sogar optimieren können und sehen sich in der Krise nun besser aufgestellt. Bild: Fotolia / v. poth
Rund ein Drittel der befragten Speditionsunternehmen haben ihr Forderungsmanagement sogar optimieren können und sehen sich in der Krise nun besser aufgestellt. Bild: Fotolia / v. poth
Daniela Kohnen
Forderungsmanagement

In der Corona-Krise hat sich das Days Sales Outstanding (DSO) und damit die Anzahl der Tage, die vom Zeitpunkt der Rechnungsstellung bis zum Zahlungseingang vergehen, für die Logistikbranche aus Kreditorensicht nicht verändert. Das hat eine repräsentative Umfrage des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik bei seinen Mitgliedsbetrieben ergeben.

Demnach gaben 78 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie derzeit zwischen 28 und 40 Tage auf ihr Geld warten. Damit seien die Forderungslaufzeiten laut DSLV in etwa auf Vorkrisenniveau. Tendenziell etwas längere Laufzeiten sind dagegen krisenunabhängig in den Bereichen See- und Luftfracht festzustellen. Ein DSO von 60 bis zu 90 Tagen, wie von Kreditversicherern publiziert, sind laut dem DSLV hingegen eher Ausnahmen und beziehen sich überwiegend auf ausländische Logistikkunden. Als negative Spitzenreiter werden in diesem Zusammenhang Seefrachtkunden aus Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten genannt.

Besseres Monitoring

19 Prozent der befragten Speditionshäuser gaben sogar an, dass sie die Forderungslaufzeiten während der Krise teilweise aktiv verkürzen konnten. Dazu hätten die Unternehmen das eigene Forderungsmanagement gestärkt und ihr Monitoring verbessert, hieß es. Einige Unternehmen gaben an, dafür sogar eigens qualifiziertes Personal eingestellt zu haben. Als einer von mehreren Gründen wurde die Risikovorsorge zum Schutz vor Forderungsausfällen durch sogenannte „Zombie-Firmen“ genannt. Das sind Kunden, die durch die pandemiebedingte Aussetzung der Antragsfrist Insolvenzen herauszögern können. Andere Logistikunternehmen lehnen hingegen, unterstützt von der derzeit guten Auftragslage, Auftraggeber mit langen Zahlungszielen konsequent ab oder beenden Geschäftsbeziehungen mit wiederholt zahlungssäumigen Kunden dauerhaft.

Der Einsatz von Factoring-Firmen zur Durchsetzung von Forderungen oder die Pfändung von Waren ist nach Angaben des DSLV nur in Einzelfällen genannt worden. Rund ein Drittel der Speditionshäuser sieht sich durch ein optimiertes Debitoren- und Kreditorenmanagement und verbessertes Mahnwesen derzeit besser aufgestellt als vor der Krise.

Lediglich zwei Prozent der DSLV-Mitgliedsunternehmen haben von vorübergehenden Liquiditätsengpässen während der Corona-Krise berichtet. Befragt nach Kundengruppen mit besonders schlechter Zahlungsmoral wurde dabei allerdings keine Branche besonders hervorgehoben. Tendenzen zu längeren Forderungslaufzeiten gibt es den Rückmeldungen zufolge hingegen mit wachsender Größe des Auftraggebers. Dies gilt nach vereinzelten Angaben auch für Unternehmen der eigenen Branche.

Marktmacht der Kunden

Auch wenn einige Industrie- und Handelskonzerne ihre Logistikdienstleister in Ausschreibungen mit großen Transport- oder Lagervolumina auf Akzeptanz von Zahlungszielen von bis zu drei Monaten und mehr drängen, sei dies nach Angaben der Befragten keine Ausprägung der aktuellen Pandemiesituation, sondern Ausdruck von Marktmacht des Kunden.

Für das eigene Zahlungsverhalten haben die Speditionshäuser in der Umfrage keine Veränderungen genannt. Den Rückmeldungen zufolge werden beauftragte Transportunternehmen und Zulieferer von den befragten Unternehmen durchschnittlich 30 Tagen nach Rechnungserhalt vergütet. Auch da sei festzustellen, dass die Rechnungslegung der Dienstleister zügiger erfolge als vor der Krise, so der DSLV. dk

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Seite 6 | Rubrik MANAGEMENT