Chance oder doch eher Risiko?

Logistikunternehmen begreifen sie auf der einen Seite immer häufiger als einen Vorteil für ihre tägliche Arbeit. Dennoch bremst die Angst vor Cyberattacken die Transformation aus. Umso wichtiger ist eine gute Strategie gegen die Gefahr.

Digitalisierung am Terminal: Ein Hafenarbeiter benutzt ein digitales Tablet bei der Arbeit in einem Lagerhaus für Container. Bild: Pixelonestocker
Digitalisierung am Terminal: Ein Hafenarbeiter benutzt ein digitales Tablet bei der Arbeit in einem Lagerhaus für Container. Bild: Pixelonestocker
Christine Harttmann
Digitalisierung

Güter effizient transportieren, Kosten senken und eine umweltschonendere Spedition: Die Digitalisierung bringt der Logistikbranche zahlreiche Benefits. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung der Unternehmen. Trotzdem bleiben sie vorsichtig bei der Umsetzung der Transformation. Sie sorgen sich, weil die Gefahr, Opfer einer Cyberattacke zu werden, immer mehr zunimmt. Dabei werden die Täterprofile immer vielfältiger und die Angriffsvektoren weiten sich immer schneller aus.

Um den Taktiken und Techniken der Kriminellen entgegenzuwirken, fehlt es oftmals an Kapazitäten oder eigener Expertise. Um rechtzeitig vorzubeugen, setzen Logistiker in diesen Fällen deshalb häufig auf externe Unterstützung. Denn gerade in der Logistikbranche kann ein Cyberangriff erhebliche Folgen nach sich ziehen – sie reichen bis zum kompletten Stillstand des Geschäfts.

Das liegt insbesondere an den Kettenreaktionen, die typischerweise mit dem Speditionsprozess verbunden sind. Kann beispielsweise das Unternehmen aufgrund einer Störung eine Deadline für eine Buchung nicht einhalten, dann wird der Container von der Reederei unter Umständen nicht verladen. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten für dessen Verwahrung. Außerdem pocht der Kunde auf eine fristgerechte Lieferung, weil er selbst Termine einhalten muss. Gelingt dies nicht, drohen mitunter Vertragsstrafen.

Schlecht fürs Image

Kurzum: Ein erfolgreicher Cyberangriff verursacht hohe Kosten und schadet dem Image des Unternehmens. In einem heiß umkämpften Markt kann niemand sich solche Effekte leisten. Umso wichtiger ist es, bei der Digitalisierung auch das Thema Cybersecurity-Strategien zu betrachten.

Die Angst vor möglichen Angriffen sollte dennoch kein Argument sein, um die dringende Digitalisierung zu verzögern. Wettbewerbsvorteile würden dadurch verloren gehen. Um sich eine stabile Marktposition zu verschaffen, sind diese jedoch dringend erforderlich, denn: Stand heute etablieren sich bereits neue Digitalspediteure, und Reedereien kaufen Logistikunternehmen, um sich einen zusätzlichen Markt zu erschließen. Anfang des Jahres stieg beispielsweise der Versandhändler Amazon in das Speditionsgeschäft ein. Und auch die großen Spediteure stemmen fortwährend Digitalisierungsprojekte, um von den Vorteilen der Transformation profitieren zu können.

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Nachziehen oder verlieren

Für kleine und mittelständische Logistiker heißt das in der Folge: Wenn sie jetzt nicht nachziehen, verlieren sie bald den Anschluss. Denn durch digitale Prozesse lässt sich die Effizienz steigern und können neue Kapazitäten geschaffen werden. Die Automatisierung verbessert zudem die Datenqualität. Bei immer anspruchsvolleren Kunden können so die Unternehmen den neuen Anforderungen besser gerecht werden. Vor allem Visibilität und Transparenz rücken hier durch Echtzeitreports in den Fokus. Um von diesen Vorteilen zu profitieren, müssen Logistiker einen umfassenden Veränderungsprozess durchlaufen. Unterstützend wirken hierbei fünf Aspekte: Synergieeffekte bilden: Strategische Allianzen helfen in der Logistikbranche, gemeinsam Vorteile zu nutzen. Durch eine Zusammenarbeit und entsprechende Integration können Unternehmen beispielsweise Visibilität schaffen. Schritt für Schritt: Es ist ratsam, sich zunächst auf einen Bereich zu fokussieren. Aus einem kleinen Digitalisierungsprojekt lassen sich Learnings ziehen, die die Beteiligten beim nächsten Projekt anwenden können. Geduld: Logistikern sollte bewusst sein, dass die Digitalisierung ein fortlaufender und langwieriger Prozess ist. Je früher man damit beginnt, desto besser. Unterstützung einholen: Es gibt erfahrene Partner, die Logistikunternehmen auf ihrem Weg helfen können. Gemeinsam mit ihren Kunden identifizieren sie relevante Prozesse und Systeme für die Integration. Cybersecurity-Strategien: Gleichzeitig müssen Unternehmen die möglichen Risiken im Blick behalten. Eine ganzheitliche Cybersecurity-Strategie kann diese erheblich minimieren. Dafür rücken Organisation, Technik und Menschen in den Mittelpunkt.

Damit die Transformation gelingt, gilt es herauszufinden, welche Abläufe und Systeme für ein Unternehmen passen. Das Thema Cybersecurity sollte dabei selbstverständlich im Fokus stehen. Denn nur wenn Digitalisierung und Cybersicherheit ganzheitlich betrachtet werden, können Speditionen von den Chancen der Transformation profitieren.ha

Die Autoren

Stefan Peter: Als Head of Cyber Security Services kümmert sich der studierte Informatiker um das Produktportfolio von Q.Beyond im Bereich IT-
Sicherheit. Seit vielen Jahren ist er als Security-Experte tätig: erst bei einem Hersteller, dann als Consultant, schließlich als Global Security Operations Manager.

Bianca Heitmann: Als Solutions Manager bei der Q.Beyond Logineer berät die studierte Betriebswirtin Logistikunternehmen bei der Implementierung des Transport-Management-Systems 
CargoWise. Zuvor war sie zwölf Jahre lang bei Röhlig Logistics tätig.

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