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Job mit Spaßfaktor gesucht

Eine Lehrstelle besetzen, wird schwieriger. Die Zahl der Schulabgänger ist rückläufig und immer mehr von ihnen entscheiden sich für ein Studium. Insbesondere die Transport-Branche muss gegensteuern.

Mit einem „Tag des Lkw“ warben im September Bild: VVWL
Mit einem „Tag des Lkw“ warben im September Bild: VVWL
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Redaktion (allg.)
Ausbildung

Laut einer Untersuchung von Wissenschaftlern der „Kühne Logistics University“ (KLU) in Hamburg fehlen operative Fachkräfte, aber auch gut ausgebildete Führungskräfte, inzwischen in allen Logistik-Bereichen – und das sogar weltweit. Geschuldet ist dies dem starken Wachstum des Sektors in den vergangenen Jahren bei gleichzeitig unzureichender Nachwuchsrekrutierung. Speziell in Deutschland treffen also zwei Entwicklungen zusammen, die sich gegenseitig verstärken. Die Unternehmen der Branche stehen daher in besonderer Weise vor der Herausforderung, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und mehr Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen.

Eines ist klar: Imagekampagnen dürften kaum etwas zur Lösung beitragen. Wollen Unternehmen dafür sorgen, dass ihnen Fachkräfte zur Verfügung stehen, müssen sie sich um die Ausbildung selbst Gedanken machen. Es geht um die Frage: Welche Anreize würden Jugendliche veranlassen, sich für eine betriebliche Ausbildung in der Logistik-Branche zu entscheiden? Die Qualität der Ausbildung rückt gerade hier in den Blickpunkt – es geht um Perspektiven und die Erwartungshaltung der Jugendlichen, um attraktive Inhalte sowie um zeitgemäße Lernformate.

Den Unternehmen der Branche bietet sich eine Vielzahl an Strategien, um Ausbildungsplätze zu besetzen. Zunächst sind mehr Anstrengungen beim Ausbildungsmarketing erforderlich. Die Betriebe müssen dort präsent sein, wo Jugendliche nach Ausbildungsstellen suchen, sprich: im Internet und hier insbesondere bei Google. Mit der Eingabe des Ausbildungsberufs in Kombination mit einem Ort begeben sie sich dort auf die Suche. Suchmaschinenoptimierung gehört daher zu den zentralen Aufgaben. Durch Verwendung beider Begriffe, des Ausbildungsberufs und des Ausbildungsortes, lässt sich jede Stellenausschreibung für die Google-Suche optimieren. Die beiden Begriffe sollten dabei sowohl im Titel der Stellenausschreibung als auch im Haupttext (am besten mehrfach) Verwendung finden. Darüber hinaus gehören sie in den Title-Tag sowie die Meta-Description der Unternehmensunterseite, wo die Stellenausschreibung veröffentlicht ist.

Besonders erfolgversprechend ist auch das Empfehlungsmarketing. Niemand anders als ein Auszubildender selbst kann glaubwürdiger die Botschaft von der Attraktivität des Unternehmens und der Ausbildung nach außen tragen. Positive Statements von Auszubildenden auf der Website, im Ausbildungsblog oder bei Azubiyo.de steigern den „Anwerbungserfolg“ – ebenso wie gute Noten auf dem Arbeitgeberbewertungsportal Kununu. Auch auf regionalen Ausbildungsmessen sind zufriedene Auszubildende das beste und werbeträchtigste „Aushängeschild“ für den Messestand.

Lob für gute Arbeit

Überhaupt sollten Unternehmen neue Wege beschreiten und auf spielerische Erlebnisse setzen. Eine gute Möglichkeit, „Digital Natives“ anzusprechen, ist das Recruitainment – ein Mix aus E-Recruiting und Infotainment. Dabei kommen Gamification-Elemente zum Einsatz, die Schulabsolventen über einen Interessenstest und ein Ranking dazu passender Ausbildungsberufe einfangen.

Bei der Arbeitgebermarke auf Zielgruppenorientierung zu achten, zahlt ebenfalls auf die Attraktivität ein. Aus Studien ist bekannt, dass Jugendlichen der Spaß am Beruf, das Betriebsklima sowie Lob für gute Arbeit wichtig sind. Gerade kleineren Unternehmen bietet sich die Chance, in diesen Bereichen zu punkten. Materielle Anreize stehen weniger hoch im Kurs. Jobtickets oder Mietzuschüsse eignen sie sich jedoch dazu, weiter entfernt wohnende Jugendliche zur Bewerbung zu bewegen.

Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu besetzen, steigen nicht zuletzt mit der Bereitschaft, die Potenziale jener Jugendlichen in den Blick zu nehmen, die weniger geeignet erscheinen, wie etwa der Hauptschulabsolventen oder der Schulabgänger mit schlechteren Leistungen. Beratungsstellen und Bildungsträger bieten „Ausbildungsbegleitung“ und Hilfe bei der Bewerberauswahl.

Neben dem Ausbildungsmarketing ist der zweite wichtige Ansatzpunkt die inhaltliche Aufwertung. Das sehen die Professoren der „Kühne Logistics University“, die an der bereits erwähnten Studie beteiligt waren, genauso. Ihrer Ansicht nach müssen die Unternehmen die Zeit und die Ressourcen, die in die Logistik-Ausbildung fließen, auf allen Ebenen deutlich ausweiten. Jugendliche betrachten ihre Ausbildung als Zukunftsinvestition – daher ist eine strukturierte Begleitung von entscheidender Bedeutung. Dazu gehören ein Ausbildungsplan und eine exzellente, kontinuierliche Betreuung, beispielsweise durch einen „Ausbildungspaten“.

Add-on kommt gut

Um die Ausbildung inhaltlich anzureichen, nutzen etliche Unternehmen bereits die Möglichkeit, eine Weiterbildung zu finanzieren, die für die Ausbildung nicht vorgesehen ist. In der Transport-Branche bieten sich etwa Englisch-Kurse für die logistische Praxis an – oder Weiterbildungen, die Excel als Hilfsmittel bei der Logistik-Planung zum Gegenstand haben. Ein Auslandspraktikum stellt eine weitere Option für leistungsorientierte Auszubildende dar, um sie gezielt zu fördern und auf verantwortungsvolle operative Aufgaben vorzubereiten.

Wegen steuerlicher Absetzbarkeit oder aufgrund einer Förderung (EU-Programm „Erasmus+“) müssen solche Zusatzangebote nicht viel kosten. Selbst für kleinere Unternehmen, die über keine Standorte im Ausland verfügen, ist ein Auslandspraktikum für Auszubildende meist problemlos realisierbar – etwa über Beziehungen zu Geschäftspartnern oder Kunden.

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Neue Lernformate einzusetzen, trägt ebenfalls zur Aufwertung bei. Interessante Experimente gehen derzeit in Richtung „Augmented Reality“ und kollaborativer Lernplattformen, die Auszubildende miteinander verbinden. Dahinter steht das Ziel, Jugendlichen beim arbeitsplatzorientierten Lernen Zusatzinformationen bereitzustellen, etwa zu logistischen Abläufen. Eine Kommentarfunktion und die Möglichkeit des Teilens sorgen zudem für eine standortübergreifende Interaktion.

Ein attraktivitätssteigerndes Angebot sind zu guter Letzt Online-Kurse zur Prüfungsvorbereitung. Jugendliche leben heute im Internet – sie nutzen YouTube und Co, um Wissen zu erwerben. Aufgrund dieser Disposition kommen ihnen das Lernformat und die eingängige Art der Wissensvermittlung von Online-Kursen zur Prüfungsvorbereitung entgegen – Misserfolgsquoten bei Prüfungen lassen sich damit deutlich reduzieren.

Spielerisches Lernen

Wirtschaftsplanspiele sind ein wegweisendes Instrument, um die Motivation zu steigern und die Identifikation mit dem Unternehmen zu fördern. Eine fiktive Juniorfirma fungiert als Testumgebung, in der Auszubildende Dienstleistungen erbringen. Die Jugendlichen lernen, unternehmerisch zu denken und Prozesse zu steuern. Juniorfirmen eignen sich für mittlere bis große Unternehmen ab zehn Auszubildenden. Eine Alternative, insbesondere für kleinere Unternehmen, ist das online verfügbare Fernplanspiel „Playbizz“ des BNW.

Simulationen und Business-Games in der Logistik-Ausbildung befürworten auch die Autoren der KHL-Studie: Die Wissenschaftler betrachten Management-Spiele als wesentlichen Baustein für eine attraktivere Ausbildung – weil sie die Möglichkeit eröffnen, selbst Entscheidungen zu treffen und deren Auswirkungen zu beobachten. Neben allgemeinen Planspielen gibt es darüber hinaus solche, die auf einen branchenspezifischen Einblick in die Logistik ausgelegt sind.

Fazit: Die betriebliche Ausbildung krankt auch in der Logistik-Branche an mangelndem Interesse bei Jugendlichen. Mit Marketing, einer Qualitätsoffensive und frischen Ideen, die an den Inhalten und den Lernformaten ansetzen, kann es jedoch gelingen, die Attraktivität nachhaltig zu steigern. Da die Zeit drängt, sollten die Akteure mit den Neuerungen allerdings nicht zu lange warten. Tobias Lohmann

Fotos: VVWL, Sievert Handel Transporte

 

Tobias Lohmann

Sprecher der Geschäftsführung des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft gemeinnützige GmbH. Das BNW ist eine Gemeinschaftsgründung von Unternehmensverbänden und vermittelt im Auftrag von öffentlichen und privaten Auftraggebern praxistaugliche Fachkenntnisse sowie grundlegende Instrumentarien für den beruflichen Erfolg.

 

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Artikel Job mit Spaßfaktor gesucht
Seite 7 | Rubrik MANAGEMENT
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