Interview mit Dr. Peter Laier, Vorstand Knorr-Bremse für Systeme für Nutzfahrzeuge

Knorr-Bremse: Dr. Peter Laier, Vorstand für Systeme für Nutzfahrzeuge, über das neue Entwicklungszentrum in München, Predictive Maintenance und Fahrerassistenzsysteme. (Foto: Knorr)
Knorr-Bremse: Dr. Peter Laier, Vorstand für Systeme für Nutzfahrzeuge, über das neue Entwicklungszentrum in München, Predictive Maintenance und Fahrerassistenzsysteme. (Foto: Knorr)
Torsten Buchholz


Dieser Artikel stammt aus der IAA Messezeitung IAA aktuell 2016. Englischer Text auf Seite 2 / english version on page 2.

Herr Dr. Laier, Knorr-Bremse ist ein weltweiter Anbieter von Bremssystemen für Nutzfahrzeuge. Unterscheiden sich Ihre Bremsen, je nachdem in welcher Klimazone die Fahrzeuge eingesetzt werden oder wird überall gleich gebremst?
Dr. Peter Laier: Es gibt durchaus regionale Unterschiede bei den Nutzfahrzeug-Bremsen und deren Auslegung. Das hat mit differierenden regulatorischen oder auch kundenseitigen Anforderungen zu tun. So werden schwere Trucks in Europa beispielsweise größtenteils mit Scheibenbremsen ausgestattet, während in vielen anderen Regionen wie zum Beispiel Nord- und Südamerika die Trommelbremse vorherrscht. Noch, denn hier wie auch in China ist aufgrund der technischen Vorteile ein Trend hin zur Scheibenbremse zu erkennen.
Sie haben im Frühsommer an Ihrem Stammsitz in München ein neues Entwicklungszentrum eingeweiht. Welche technischen Glanzlichter gibt es dort?
Das neue Entwicklungszentrum von Knorr-Bremse ist in mehrfacher Hinsicht weltweit einmalig. An diesem Ort bringen wir Ingenieure und Techniker aus beiden Divisionen – Systeme für Schienenfahrzeuge und Systeme für Nutzfahrzeuge – zusammen. Mit dieser Bündelung von Know-how rund um die Bremssysteme fördern wir den technologischen Austausch zwischen den Divisionen und schaffen Mehrwert für unsere Kunden. In dem Neubau finden sich auf einer Fläche von knapp 17.000 Quadratmetern auf fünf Etagen insgesamt 100 hochmoderne Prüfstände und Testeinrichtungen für die technische Erprobung und Qualitätssicherung.

Wie gestaltet sich die Forschung an Bremsen? Kommen die zukünftigen Innovationen eher aus dem Bereich Materialien oder Systemtechnik?

Sowohl als auch; ein großer Treiber für Innovationen kommt derzeit klar aus der Systemtechnik. Die Entwicklung schreitet sehr schnell voran und ermöglicht ganz neue Ansätze, zukünftige Herausforderungen für Nutzfahrzeugbremsen und Antriebsstrang zu lösen. Und dies sowohl auf der funktionalen Seite als auch bei den Systemkosten. Dabei haben wir neben dem System auch die Komponenten an sich im Fokus. Als Beispiel neue Materialien: Wenn sie dem Kunden einen wirklichen, messbaren Gewichtsvorteil bieten, spielen diese Themen bei unseren Konzeptideen zum Beispiel bei Aluminium-Kompressoren natürlich eine Rolle. Unser neues Entwicklungszentrum in München hilft uns dabei, die im Unternehmen vorhandenen Kompetenzen bezüglich Bauteile, Materialen und Gesamtsystem zu bündeln und für Innovationen zu nutzen.
Welche aktuellen Highlights hat Knorr-Bremse mit zur IAA Nutzfahrzeuge nach Hannover gebracht?
Wir zeigen auf der IAA einen Lkw, der abseits öffentlicher Straßen autonom fahren kann, beispielsweise auf einem Speditionshof oder im Hafengelände. Wir nennen diese Funktion „Autonomes Yard Maneuvering“. Mit diesem System können wir einerseits Bagatellschäden bei komplexen Rangiermanövern und Zeitverluste aufgrund von Fehlbelegungen vermeiden helfen, andererseits den Fahrer entlasten. Er kann sich anderen Aufgaben widmen oder die Zeit nutzen, um seine Ruhezeiten einzuhalten. Das System ist inzwischen so weit entwickelt, dass wir Hindernisse auf dem Fahrweg detektieren und das Fahrzeug automatisch zum Halten bringen können. Das „Autonomes Yard Maneuvering“ ist eine Demonstration des aktuell technisch Machbaren und unterstreicht unsere Kompetenz in diesem Bereich. Darüber hinaus zeigen wir einen neuen Abbiegeassistenten, der das Unfallrisiko beim Rechtsabbiegen von Lkw in der Stadt verringern soll.
Auf der Messe werden erstmals Angebote für die vorausschauende Wartung, englisch Predictive Maintenance, vorgestellt. Wie sehen Sie dieses Thema bei einem wartungsintensiven Bauteil wie der Bremse aus Sicht Ihres Unternehmens?
Mit der fortschreitenden Digitalisierung unserer Komponenten verlassen wir den Bereich fester Wartungsintervalle und entwickeln uns in Richtung nutzungsbasierter oder auch vorausschauender Wartung. Wir befähigen schrittweise alle unsere Komponenten und Systeme Condition Based Maintenance zu unterstützen. Das wird ganz sicher die Zukunft sein, nicht nur bei den Bremsen.
Und aus Sicht des Kunden?
Mit Hilfe der vorausschauenden Wartung können unsere Kunden Werkstattzeiten besser planen und auf ein absolutes Minimum reduzieren, gleichzeitig sinkt das Risiko von Liegenbleibern. Darüber hinaus können wir durch die intelligente Vernetzung unserer Systeme weitere Einsparpotenziale für unsere Kunden realisieren.
Neben vielen pneumatischen und mechanischen Bauteilen liefert Knorr-Bremse auch Fahrerassistenzsysteme wie Spurverlassenswarner und Notbremsassistent. Sind weitere Technologien in der Pipeline?
Wir arbeiten an der schrittweisen Einführung weiterer automatisierter Fahrfunktionen, die den Fahrer entlasten, die Sicherheit weiter erhöhen und den Weg zum autonomen Fahren vorbereiten. Hierzu gehören beispielsweise ein Ausweich-, ein Baustellen- oder auch ein Stau-Assistent.

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Quelle: IAA aktuell 2016

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Dr Laier, Knorr-Bremse manufactures brake systems for commercial vehicles worldwide. Do your brakes differ depending on which climate zone the vehicles are driven in? Or is braking the same the world over?
Dr Peter Laier: The type and specification of commercial vehicle brakes can differ from region to region, depending on regulatory and/or customer requirements. For instance, heavy-duty trucks in Europe are mostly equipped with disc brakes, whereas in many other regions – such as North and South America – drum brakes are the more predominant system, at least for the time being. In these regions, as well as in China, we are seeing a clear trend towards disc brakes due to the technical benefits they offer.
Early this summer, Knorr-Bremse opened a new Development Center at its headquarters in Munich. What are its main technical highlights?
The new Knorr-Bremse Development Center is unique worldwide in numerous respects. Engineers and technicians from the two divisions – Rail Vehicle Systems and Commercial Vehicle Systems – have now been brought together at one location. The resulting concentration of brake system expertise and know-how promotes technological exchange between the divisions and generates added value for our customers. On total floor space of 17,000 square metres distributed across five levels, the new building houses 100 state-of-the-art rigs and systems for technical testing and quality assurance.
What are the key elements of R&D for brakes? Are materials or rather system engineering the main source of future innovation?
It’s both in fact, with system engineering currently the prime driving force for innovation. Technological developments are advancing at a rapid pace, permitting brand new approaches to be applied to solving future challenges involving brakes and drivetrains in commercial vehicles. This topic is highly relevant in terms of both functionality and system costs. We are therefore focusing on systems as well as on the components themselves. Take new materials, for instance. If they are to generate real, measurable benefits for the customer in terms of weight, any new concepts we consider – such as aluminium compressors – must of course take the issues described above into consideration. Our new Development Center in Munich allows us to concentrate the full range of in-house expertise with components, materials and system engineering and utilise those skills to develop innovative products.
What are the latest highlights being showcased by Knorr-Bremse at the IAA Commercial Vehicles in Hanover?
At the IAA we are presenting a truck that can drive autonomously when not on public roads, for example at a transport company's depot or a port premises. We call this function “Autonomous Yard Manoeuvring”. With this system, there is less danger of minor damage being caused during complex manoeuvring and less time lost due to errors in bay selection. It also helps the driver, who can use the time to concentrate on other duties or take statutory breaks. System development has meanwhile reached the stage where we can detect obstacles in a truck’s path and bring the vehicle automatically and safely to a halt. “Autonomous Yard Manoeuvring” is an excellent example of what is technically feasible these days and underlines our expertise in this field. We are also exhibiting a new turning assistant, designed to reduce the risk of an accident when a truck turns to the nearside in urban traffic.
A number of predictive maintenance products are being presented this year for the first time at the IAA Commercial Vehicles. How do you and your company view this topic – specifically in relation to high-maintenance components such as brakes?
As our components become increasingly digitised, we are moving inexorably away from fixed maintenance intervals and heading in the direction of usage-based and predictive maintenance. Gradually, we are enabling all of our components and systems to support “Condition-Based Maintenance”. That is the way things are heading, and not just in the case of brakes.

How do things look from a customer perspective?

With the help of predictive maintenance, our customers can plan better, keep repair workshop times to an absolute minimum and reduce the risk of downtimes. The intelligent interconnecting of our systems is a further source of potential savings for customers.
Apart from a broad range of pneumatic and mechanical components, Knorr-Bremse also supplies driver assistance systems, such as lane departure warning and emergency braking assists. Are there other new technologies in the pipeline?
We are working on a number of additional automated driving functions that help to relieve the strain on the driver and further improve safety. These functions – including evasion, roadworks and traffic jam assists to name but a few – form part of the process that will prepare the way for autonomous driving.

Copyright: IAA aktuell 2016

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