Flugzeug tankt Speiseöl

DB Schenker und Lufthansa Cargo starten eine CO2-neutrale Frachtfluglinie zwischen Frankfurt und Shanghai. Alleine im Sommerflugplan sparen sie damit zehntausende Tonnen Treibhausgase.

Mit synthetischem Treibstoff klimaneutral fliegen - Lufthansa Cargo und DB Schenker gehen erste Schritte. Bild: Lufthansa Cargo
Mit synthetischem Treibstoff klimaneutral fliegen - Lufthansa Cargo und DB Schenker gehen erste Schritte. Bild: Lufthansa Cargo
Christine Harttmann
Luftfacht

Bei DB Schenker fliegt Luftfracht nach Asien künftig auch klimafreundlich: Gemeinsam mit Lufthansa Cargo hat der Logistikkonzern seine erste regelmäßige, CO2-neutrale Frachtflugverbindung aufgenommen. Der Treibstoffbedarf der Boeing 777F, die künftig wöchentlich zwischen Frankfurt am Main und Shanghai Pudong fliegen soll, werde komplett durch Sustainable Aviation Fuel (SAF) abgedeckt, teilen die beiden Unternehmen mit. Sie wollen so pro Rundflug etwa 174 Tonnen herkömmliches Kerosin einsparen.

Jochen Thewes, Vorstandsvorsitzender von DB Schenker, erklärte anlässlich des Starts der ersten Maschine: „CO2-neutrale Lieferketten sind jetzt auch mit der Luftfracht möglich. Unsere wöchentlichen Flüge zwischen Frankfurt und Shanghai sind der Anfang. Wir sind stolz, schon jetzt so viele Kunden von diesem zukunftsweisenden Produkt überzeugt zu haben. Nun müssen Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen, um mehr Kapazitäten für regenerative Kraftstoffe und sauberes Fliegen zu schaffen.“

„Mit dem ersten nachhaltigen Frachtflug der Welt haben wir bereits im Herbst gemeinsam mit DB Schenker gezeigt, dass Fliegen ohne fossile Emissionen schon heute möglich ist“, ergänzt Dorothea von Boxberg, Vorstandsvorsitzende von Lufthansa Cargo. „Jetzt rufen wir gemeinsam die erste regelmäßige nachhaltige Frachtflugverbindung der Welt ins Leben. Damit ist der Weg für viele weitere Verbindungen dieser Art bereitet. Wir setzen auf die Entschlossenheit unserer Branche und den Willen der Verbraucher:innen, diese mit uns auf den Weg zu bringen.“

Aus Resten gewonnen

Sustainable Aviation Fuel wird vorwiegend aus Biomasseabfällen hergestellt, beispielsweise aus gebrauchten Pflanzen- und Speiseölen. Bei der Verbrennung im Triebwerk wird somit ausschließlich CO2 freigesetzt, welches der Atmosphäre zuvor beim Wachstum der Pflanzen entzogen wurde.

Darüber hinaus werden die bei der Herstellung und dem Transport des Kraftstoffs entstandenen Treibhausgase vollständig mit Ausgleichsprojekten kompensiert. Dadurch werde, so versichern die Unternehmen, die vollständige Treibhausgasneutralität der Flüge realisiert. Die von DB Schenker und Lufthansa Cargo wöchentlich beschaffte Menge SAF entspreche 174 Tonnen Kerosin und damit exakt dem Bedarf für die Verbindung nach Shanghai und zurück. Allerdings können Flugzeuge bislang technisch und rechtlich noch nicht vollständig mit SAF betankt werden. Daher wird das SAF über das Tanksystem des Flughafens dem herkömmlichen Kerosin beigemischt und anteilig von allen anschließend betankten Maschinen verbraucht.

Gutschrift gefällig?

Insgesamt werde während des Sommerflugplans, so erklärt Lufthansa Cargo, eine Treibhausgasneutralität in Höhe von 20.250 Tonnen sichergestellt. Davon sollen rund 16.200 Tonnen bei der unmittelbaren Verbrennung im Triebwerk vermieden werden – diese können sich die Kunden des Programms anteilig in ihrer Klimabilanz gutschreiben, darunter Mercedes-Benz, ZF und Merck.

Aktuell ist SAF rund drei Mal teurer als fossiles Kerosin und die am Markt verfügbare Menge begrenzt. DB Schenker und Lufthansa Cargo bekräftigen mit dem Start der nachhaltigen Frachtflugverbindung auch die Aufforderung an andere Unternehmen der Logistikbranche sowie die Politik, gemeinsam die Produktion und Infrastruktur für Sustainable Aviation Fuel auszubauen und damit die Dekarbonisierung in der Logistik voranzutreiben. ha

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Seite 7 | Rubrik INTERNATIONALER GÜTERVERKEHR