Forsa-Umfrage: Lang-Lkw bleibt in der Bevölkerung unbeliebt

So gefährlich sind die Lang-Lkw gar nicht: Im Feldversuch sind bisher nur vier leichte Unfälle mit Blechschaden belegt. (Foto: ACV Automobil-Club Verkehr)
So gefährlich sind die Lang-Lkw gar nicht: Im Feldversuch sind bisher nur vier leichte Unfälle mit Blechschaden belegt. (Foto: ACV Automobil-Club Verkehr)
Christine Harttmann

Nur ein Viertel der Bürger befürwortet die Zulassung im deutschen Straßennetz, das zeigt eine Forsa-Umfrage. Ein streckenbezogener Regelbetrieb wird wohl dennoch kommen.

Lang-Lkw – seit Jahren diskutieren Unternehmen, Verbände, Politik und Bürger kontrovers über das Thema. Und nach fast fünf Jahren, die der 25 Meter lange Laster jetzt schon über deutsche Straßen rollt, steht ein Großteil der Bürger den Fahrzeugen noch immer kritisch gegenüber. Laut einer Forsa-Umfrage sprechen sich 72 Prozent der befragten Bürger gegen deren Zulassung aus. Nur 25 Prozent sind dafür. Allianz pro Schiene, der Automobil-Club Verkehr (ACV) und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatten die Studie in Auftrag gegeben.

In den Augen der Bürger sprechen vor allem drei Argumente gegen den Lang-Lkw. Zum einen vermuten sie ein erhöhtes Unfallrisiko. Der Zwischenbericht, den die Bundesanstalt für Straßenwesen im September vorlegte, konnte diese Sorge allerdings nicht belegen. Darin sind lediglich vier leichte Unfälle mit Blechschäden und einer mit nur einer Beschädigung des Banketts durch den Abschleppwagen protokolliert.

Große Skepsis in der Bevölkerung

Laut der Forsa-Umfrage stieße bei den Bürgern außerdem auf Ablehnung, wenn bei einem flächendeckenden Einsatz von Lang-Lkw erhöhte Steuermittel für den Umbau des Straßennetzes anfallen würden. Auch eine mögliche Verlagerung von Transporten von der Schiene zurück auf die Straße fürchtet ein größerer Teil der Befragten. „Die Ergebnisse sind ein Weckruf für den Bundesverkehrsminister“, kommentierte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege das Ergebnis. Auch in Bayern, dem Heimatland des Bundesverkehrsministers, wolle die große Mehrheit keine Lang-Lkw. Dobrindts offensives Werben habe die Bürger offenbar nicht überzeugt.

Wie geht es weiter?

Im Dezember endet der Feldversuch Lang-Lkw. Dann muss das Bundesverkehrsministerium darüber entscheiden, wie es künftig weiterlaufen soll. Als Reaktion auf die Umfrage regte nun der Vorsitzende im Bundestags-Verkehrsausschuss, Martin Burkert (SPD), an, den Lang-Lkw nur dann die Genehmigung für den Alltagsbetrieb zu geben, wenn sie als Zulieferer im kombinierten Verkehr mit Bahn und Binnenschiff eingesetzt werden. Eine deutschlandweite Freigabe hingegen lehnt der SPD-Bundestagsabgeordnete ab.

Ein Vorschlag, den Flege unterstützt. Damit ließen sich die Bedenken, wonach ein verbilligter Lang-Lkw-Verkehr Transporte von der Schiene auf die Straße absaugt, entschärfen, so der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer: „Wenn der Bund den Einsatz von Gigalinern auf die Kombination mit der umweltfreundlichen und sicheren Schiene beschränkt, konterkariert er nicht länger seine eigenen Ziele.“ Der VDV mahnte außerdem, die Bundesregierung solle dafür sorgen, dass Güterzüge das Netz mit der Standardlänge von 740 Metern befahren könnten. Die Investitionen dafür seien überschaubar.

Eine direkte Stellungnahme zu der Umfrage wollte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies zwar nicht abgeben. Dennoch erklärte Stefan Wittke, im Ministerium als Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, auf Nachfrage, dass die bisherigen Ergebnisse des Feldversuchs „sehr vielversprechend“ seien. Der Minister spreche sich dafür aus, die Fahrzeuge auf den dafür geeigneten Strecken zuzulassen. Allerdings sei natürlich längst nicht jede Strecke brauchbar. Eine gute Alternative stellten die 25 Meter langen Laster vor allem für Volumentransporte dar, da sie Straßen und Menschen entlasten, weil nur noch zwei Lkw fahren, wo vorher drei unterwegs waren. „Wir sind guter Dinge, dass der Feldversuch zu einem guten Abschluss kommt“, so Wittke.

Rechtsgrundlage schaffen

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt begrüßte den erfolgreichen Verlauf des Feldversuchs in der Vergangenheit. Er sprach sich für einen streckenbezogenen Regelbetrieb nach Ablauf aus – vorausgesetzt die positiven Ergebnisse bestätigen sich weiter so. Die Rechtsgrundlagen für eine eventuelle Überführung des Testbetriebs in einen dauerhaften Regelbetrieb will er nach der Vorlage des Abschlussberichts, die noch in diesem Jahr erfolgen soll, schnellstmöglich erarbeiten.

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