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Als Frau fast allein unter Männern - Ausbildung zur Berufskraftfahrerin

Nadine S. fährt während ihrer Ausbildung bei Kögl einen Zwölftonner mit Gefahrgut. (Foto: Kögl Logistik)
Nadine S. fährt während ihrer Ausbildung bei Kögl einen Zwölftonner mit Gefahrgut. (Foto: Kögl Logistik)
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Torsten Buchholz

Nadine S. wird seit zwei Jahren zur Berufskraftfahrerin ausgebildet. Dass sie sich als Frau in einer vermeintlich typischen Männerdomäne bewegt, hat die 26-Jährige bisher nicht bereut.
Die deutsche Transport- und Logistikbranche hat Nachwuchssorgen. Das gilt vor allem für Berufskraftfahrer. Bislang war der Lkw-Fahrerberuf vor allem etwas für Männer. Doch das Ganze kann durchaus auch für Frauen interessant sein. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sie Freude am Fahren und keine Angst vor großen Trucks haben. Und wichtig ist auch, dass sie einen Ausbildungsbetrieb haben, der die jungen Frauen bei der Umsetzung ihres Berufswunsches tatkräftig unterstützt. All das trifft in dem folgenden Beispiel zu.
Theorie und Praxis
Die 26-jährige Nadine S. macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin bei dem Friedrichshafener Transport- und Logistikdienstleister Kögl Logistik. Im Frühjahr 2015 hat sie bereits erfolgreich ihren Lkw-Führerschein bestanden. Im Sommer 2017 will sie ihre Ausbildung abschließen. Außer Nadine sind nur noch zwei weitere Frauen in ihrer 27-köpfigen Berufsschulklasse, die eine Ausbildung zur Bus- beziehungsweise als Berufskraftfahrerin machen. Die Lehre ist anspruchsvoll. Nadines Lieblingsfach „Lernbereich Theorie“ besitzt gleichzeitig den größten Praxisbezug. Es setzt sich aus Logistik, Werkstatt und Technik zusammen. Sie muss sich mit geltendem EU-Recht, mit Lenkund Ruhezeiten, Ladungssicherung, Verkehrssicherheit, Absicherung von Unfallstellen sowie der Wartung, Pflege und Funktionsweise der Fahrzeuge auskennen. Für die ehemalige Realschülerin ist das alles kein Problem: Sie hat einen Notendurchschnitt von 1,6.
Spannender Alltag
Der Unterricht an der Berufsschule in Ehingen findet in Blöcken statt, im Wechsel mit der Ausbildung im Betrieb. Obwohl die Berufsschule ihr Spaß macht, ist Nadine viel lieber auf der Straße. Nicht selten acht oder neun Stunden, auf Tagestouren. Oft passiert Unvorhersehbares: Staus, Umleitungen, Kontrollen, Pannen oder gar Unfälle. „Kein Tag gleicht dem anderen! Gerade das macht es ja spannend“, sagt die Auszubildende.
Meistens fährt sie einen Zwölftonner mit 240 PS, einem großen Stickstofftank und der Möglichkeit, noch separat Gasflaschen zuzuladen. Auf ihren Touren transportiert sie die Gase zu Kunden im Umland, nach München, ins Allgäu oder nach Stuttgart.
Da sowohl der Haupttank als auch die Flaschen unter Druck stehen und mitunter sogar entzündliche Stoffe enthalten, handelt es sich um Gefahrgut.
Der Umgang damit erfordert nicht nur Umsicht, sondern auch besondere Kenntnisse. Nadine musste zum Beispiel lernen, welche der Ventile an Ihrem Lkw in welcher Reihenfolge geöffnet und geschlossen werden müssen, um sicher zu laden oder zu entladen und welcher Maximaldruck dabei zulässig ist. Aber das sei „alles kein Hexenwerk“, erklärt die 26-Jährige.
Die Ausbildung und die Arbeit bei Kögl sind für Nadine die Erfüllung ihres Berufstraumes. Nach der Lehre will sie deshalb unbedingt weiter für das Unternehmen fahren.
Kögl hat nicht nur die Kosten des Führerscheins übernommen, sondern sorgt dafür, dass die Auszubildende auch den kompletten Prozess vom Auftragseingang bis zur Kundenbelieferung im Unternehmen mitbekommt. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter wissen, wie ihr Arbeitsbereich mit dem anderer zusammenhängt, dass sie Teil des Teams werden und auch so denken und arbeiten“, sagt Kögl-Geschäftsführerin Diana Kögl.
Dritter Anlauf
Auf die Idee, Lkw-Fahrerin werden zu wollen, ist Nadine übrigens am Steuer eines Pkw auf einer langen Urlaubsfahrt nach Kroatien gekommen: „Alle, die mich kennen, meinten sofort: Das ist genau das Richtige für dich. Und mir macht es einfach Spaß.“ So kam es, dass sich Nadine, die ursprünglich aus Bernstadt in Sachsen stammt, nach zwei Anläufen im Gartenbau und Einzelhandel schließlich bei Kögl in Friedrichshafen beworben hat.
Sorgen, dass sie als Frau in einem typischen Männerberuf womöglich Probleme bekommen könnte oder sich gegen Vorurteile zur Wehr setzen müsste, hatte sie keine. Schlechte Erfahrungen hat sie bisher auch nicht gemacht. Meist begegnen ihr die männlichen Kollegen und Kunden mit Respekt. Die meisten seien einfach nur etwas überrascht, wenn eine Frau aus dem Führerhaus des Lkw klettert.

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